Hier erfahren Sie alles über die Aquarellmalerei - von den Grundlagen bis zu unglaublichen Praxis-Tipps und Tricks

Die wichtigsten Aquarell-Techniken

Hier werden die Techniken an sich beschrieben, praktische Anwendungsbeispiele dafür finden Sie dann bei den einzelnen Lektionen.

Die "Nass in Nass" - Technik:

Für die Darstellung des Hintergrundes (z.B. Wolken) und für eine "verwaschene"  Darstellung bestimmter Bildbereiche wird oft die "Nass in Nass"-Technik angewendet.

Dabei wird die wässrige Farblösung auf das nasse (keinesfalls aber tropfnasse!), oder mehr oder weniger feuchte Papier aufgetragen. Dadurch entstehen immer unscharfe, verschwommene Farbstrukturen ohne scharfer Abgrenzung. Hier hat man allerdings den geringsten Einfluss auf das spätere  Aussehen des (getrockneten) Bildes. Dagegen ist es immer wieder sehr faszinierend, welche Formen und Strukturen hier entstehen. Ein wichtiger Vorteil  der Nass-Nass - Technik ist, dass sich beim Malen das Papier weniger stark wellt, da ja alle Papierfasern gleichmäßig gewässert und gedehnt werden.

Folgendes gilt es speziell bei dieser Technik zu beachten:

Die Qualität der Aquarellfarbe. 

Hier kann sich die Qualität der Farbe auf dem gleichen Papier sehr unterschiedlich auswirken. Mittlerweile gibt es sehr preiswerte Aquarellfarben (meist aus Fernost), jedoch sind die Unterschiede zu Qualitätsfarben doch enorm, von der Lichtechtheit einmal ganz abgesehen. Hochwertige Künstler-Aquarellfarben sind wesentlich ausgiebiger und leuchtender als diese Billigfarben. Je besser und feiner die Qualität einer Aquarellfarbe ist, umso besser werden hier die Ergebnisse sein. 
Trotzdem empfehle ich, dass man gerade als Einsteiger auch mit diesen "einfachen" und preiswerten Farben Versuche machen sollte. So kann man diese Farben im Bedarfsfall für eine ganz bestimmte Wirkung gezielt einsetzen – selbstverständlich vorausgesetzt, dass die Lichtechtheit der Farben garantiert ist. Ganz sicher wird man später sowieso auf Qualitätsfarben umsteigen. Siehe auch bei >> Materialempfehlungen.

Die Qualität des Papiers: 

Auch die Qualität des Papiers hat einen großen Einfluss. Man sollte stets mit unterschiedlichen Qualitäten die ersten Versuche wagen. So gewinnt man relativ rasch ein Gespür für geeignete Papiere und kann dann oft schon vom reinen Anfassen her entscheiden, ob es für bestimmte Techniken geeignet oder ungeeignet ist. Es müssen nicht immer teure und hochwertige Spezialpapiere sein. Ich empfehle für den Anfang durchaus preiswerte Materialien zu nehmen. Gönnen Sie sich aber dennoch öfters das Vergnügen, auf hochwertigem Papier zu malen...

 
So geht man vor:
 

Bei verleimten Blöcken wird nur die Oberseite des Blattes mit einem großen Flachpinsel (oder vorsichtig mit einem sauberen, flachen Viskoseschwamm - ist besser als ein Naturschwamm) gleichmäßig befeuchtet. Danach streift man das Wasser mit dem ausgeschüttelten und getrockneten Pinsel ab und beginnt mit dem Farbauftrag. 

Nun beginnt man – auf das noch nasse Papier - z.B. den Himmel zu malen, indem man einfach die späteren Wolken beim Auftragen der blauen Farbe ausspart. Es entstehen so sehr feine, duftige Wolkenformationen. Durch mehr oder weniger kräftige oder wässrige Farbe und je nach Feuchtigkeitsgrad des Papiers läßt sich das spätere Ergebnis etwas besser vorbestimmen, der frappierende Zufallseffekt bleibt jedoch immer noch erhalten. Wichtig dabei ist eine schnelle Vorgangsweise.

Nun kann man während des Trocknungsprozesses mitlaufend zunächst mit einem etwas kräftigeren, aber immer noch dezenten  Farbauftrag z.B. die Berge im Hintergrund "modellieren". 
Mit immer kräftigeren Farben geht man nun immer weiter in den Vordergrund und malt so mit immer "trockner" Farbe z.B. die  Bäume, Felsen, Steine und kommt so im fließenden Übergang zur nächsten Technik:
 


Die "Trocken auf Nass" - Technik:

Wird mit dem "trockenem" Pinsel auf nasses Papier gemalt, ist der Verwischeffekt nicht ganz so stark. Allerdings braucht man hier sehr viel Feingefühl und Übung für den Trocknungsgrad des Papiers und für die Feuchtigkeit der Farbe, denn "trocken" heißt hier "satte Farbe mit wenig Wasser". 

Bestimmte Effekte wie schärfer abgegrenzte, erdige, auch felsige Strukturen mit einem sanften, gleichfarbigen Hintergrund entstehen mit verhältnismäßig  trockener Farbe auf nassem Papier. Aquarell ist also eine sehr experimentierfreudige Art des Malens, die sehr viel Spielraum für das Erkunden eigener Techniken und Vorlieben läßt. 


Die "Nass auf Trocken" - Technik:

So nennt man die Technik, bei der die "nasse" Farblösung auf das getrocknete Papier aufgetragen wird.  Das kann ein Papier sein, das zuvor in der "Nass in Nass - Technik"  behandelt wurde, oder man beginnt sofort in dieser Technik. 

Bei einem Bild, das schon in "Nass in Nass-Technik" und "Trocken auf Nass" gestaltet wurde, erfolgt jetzt das weitere Ausgestalten und die Darstellung von Feinheiten wie z.B. Steine und Gräser.  
In der Landschaftsmalerei vor Ort wird meist mit dieser Technik begonnen. Oft werden auch nur bestimmte Flächen des besseren Farbverlaufs wegen vor dem Malen befeuchtet.


Die "Trocken auf Trocken" - Technik:

Wenn man mit "trockenem" Pinsel auf trockenem Papier malt, werden die Konturen wie bei einer Zeichnung sehr scharf und genau abgegrenzt. Sehr oft ist das der "letzte Schliff" für Aquarelle mit einem naturnahen Vordergrund. Hier erhalten Bäume eine rauhe Borke, Ackerböden und Wege erhalten ihre erdige oder steinige Struktur. Auch in der architektonischen Malerei werden Details meist auf diese Art gemalt.


Die Lasur-Schicht-Technik: (Lasurtechnik)

Hier beginnt man zunächst mit einer dünnen Lasur den Hintergrund zu gestalten. Bei sehr saugfähigem Papier wird man jedoch bald feststellen, dass durch diese „trockene“ Malweise beispielsweise Wolken oder auch Berge sehr leicht unnatürlich scharf abgegrenzte Formen und Ränder erhalten können. Man kann diese Ränder zwar teilweise mit Wasser noch vorsichtig zu verwaschen versuchen, riskiert dabei aber ständig das oft unpassende „Ausblühen“ des Wassers in die Farbfläche. Für einen lockeren Himmel sollte man also die „Nass in Nass-Technik“ wählen.

Für das eigentliche Bild kann man gezielt einzelne farbige Flächen mit einer feuchten Lasur darstellen. Nach dem Trocknen entstehen so immer mehr farbige Flächen, die sich auch überlagern oder überschneiden können. Im Bereich der Überlagerung entstehen neue Farben oder Farbtiefen. Allerdings erfordert das Lasieren eine schnelle Arbeitsweise und sicheren Farbauftrag, da (abhängig vom verwendeten Papier) die darunterliegende Farbschicht schnell angelöst werden kann. Dies wiederum führt schnell zu „stumpfen“ Ergebnissen.


Die Lavier- oder Verwaschtechnik:

Eine schöne und interessante Variante ist das Lavieren (franz. „laver" = waschen oder verwaschen) mit Aquarellfarbe. 

Es gibt hier mehrere Verfahren:

Das bekannteste Verfahren ist das Verwaschen mit (meist) reinem Wasser von Feder- oder Rohrfederzeichnungen. Für die Zeichnung kann Tusche,  (ev. wasserlöslich) aber auch Beize verwendet werden. Hervorragend dafür geeignet sind wasserlösliche, lichtechte  Holzbeizen oder „Körnerbeize“.  Idealerweise verwendet man einen speziellen Lavierpinsel (Verwaschpinsel - oft aus weichem Ziegenhaar) – aber auch jeder andere großvolumige Haarpinsel ist dafür geeignet.

Freilich lassen sich auch mit dem Pinsel angelegte „Aquarellzeichnungen“ wunderbar verwaschen, genau so wie auf das trockene Papier angelegte Zeichnungen mit wasserlöslichen Aquarellstiften.
Zuweilen wird ganz gezielt (oder auch um misslungene Aquarelle zu retten) mit Feder oder Stift über ein Aquarell gezeichnet und dann laviert. 

"Lavieren" – bzw. Anlösen trockener Farbschichten zur Korrektur:

Bereits trockene Farbschichten lassen sich je nach Qualität bzw. Zusammensetzung (Bindemittel) der Farben und/oder des Papiers mehr oder weniger leicht wieder anlösen. 
So kann man nachträglich "scharfe" Abgrenzungen noch etwas "weicher" gestalten. Hierzu befeuchtet man zuerst die betreffende Stelle ohne zu reiben mit klarem Wasser und lässt dies einige Minuten einwirken, um die Farbe anzulösen.  Danach wird ein feuchter, nicht zu nasser Pinsel (eventuell sogar ein Borstenpinsel) benutzt, um die Farben vorsichtig zu verwaschen. 
Bisweilen hilft bei sehr heiklen Stellen der Trick, die betreffende Stelle von der Rückseite her sorgfältig – aber vorsichtig -  zu befeuchten.


Weiters:

Der Einsatz von Aquarellstiften:

Aquarellstifte sehen aus wie "normale" Buntstifte, enthalten aber eine hochwertige, wasserlösliche Aquarellfarbe. Mit diesen Stiften kann man sowohl auf nassem als auch auf trockenem Papier malen. 
Meistens wird dabei die Farbe wie mit Buntstiften vorsichtig schraffiert aufgetragen, um sie dann mit Wasser etwas zu verwaschen ("Lavieren"). Interessante grafische Effekte entstehen, wenn beispielsweise Striche und Linien auf nasses oder halbtrockenes Papier aufgetragen werden.

Kombination der angeführten Techniken:

Man kann nun in einem Bild alle diese Techniken beliebig kombinieren und erhält so eine reichhaltige Bandbreite von Effekten und unterschiedlichen Darstellungsvarianten. Freilich sollte man nicht planlos Techniken miteinander kombinieren, sondern genau überlegen, welche Methode zielführend ist.
Auch wenn das Ergebnis locker und duftig aussehen soll, so erfordert die Aquarell-Malerei immens viel Zeit und Geduld. Sei es in der feinen, filigranem Ausarbeitung oder in der vielschichtigen Lasur-Technik. 
So legen die erfolgreichsten Aquarellisten oft bis zu hundert (!) oder noch mehr Lasurschichten in einem einzigen Bild an. Dadurch entsteht bei wechselnder Tageshelligkeit oder verschiedenen Lichtverhältnissen jeweils ein völlig anderes Farbspiel, da stets andere Farbnuancen vom einfallenden Licht zum Leuchten angeregt  werden. 

Kombination mit anderen Techniken - eigene Techniken

Die Aquarell-Malerei lässt sich hervorragend mit anderen Techniken (Bleistift, Kohle, Kreide, Rohrfeder, Öl, Collage, Materialdruck  u.s.w.) verbinden. Allerdings geht dadurch meist die Duftigkeit verloren, die ein typisches Aquarell kennzeichnet. 
 

    Empfehlung: Experimentieren Sie dennoch damit und lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf.    


Seit einiger Zeit gibt es neue Hilfsmittel für die Aquarellmalerei:


    •  Aquarell-Malmittel
    •  Aquarell-Glanzmittel
    •  Aquarell-Wasserfest-Fixierung
    •  Aquarell-Pasten und Verdickungsmittel
    •  Aquarell-Spachtelmasse
    •  Perlmuttglanz für Aquarell


und noch eine Reihe von angeblich sinnvollen (?) Zusatzmitteln, mit denen z.B. Glanzeffekte wie in der Ölmalerei oder auch Collagen erstellt werden können. Ob Sie solchen Verlockungen widerstehen oder auch damit experimentieren, ist klarerweise Ihnen überlassen. Ich persönlich halte sehr wenig von solchen Spielereien.
 

Wenn Ihnen mein Onlinekurs gefällt, würde ich mich über einen Gästebucheintrag sehr freuen.