Hier erfahren Sie alles über die Aquarellmalerei - von den Grundlagen bis zu unglaublichen Praxis-Tipps und Tricks

Reetgedeckte Scheune

Bei einer Fahrt nach Ostfriesland bzw. an die Nordsee (übrigens absolut empfehlenswert) machten wir einen Stop im schönen Kurort Bad Zwischenahn. Im Freilichtmuseum am Zwischenahner Meer steht neben einem Ammerländer Bauernhaus auch diese reetgedeckte Scheune. Da ich zum Skizzieren zu wenig Zeit hatte, machte ich natürlich ein Foto, um es dann in Ruhe zuhause zu malen.

Bitte beachten Sie: 

Der Text zu den einzelnen Schritten der Lektionen ist bewusst sehr knapp gehalten. 
Die hier gezeigte Vorgangsweise ist nur eine Variante von vielen Möglichkeiten. Die verwendeten Farben sind Vorschläge bzw. Anregungen. Entsprechend den Wünschen meiner Kursteilnehmer gehe ich gelegentlich auch ins Detail.
Das können Sie natürlich ignorieren.


Bild vergrößern mit Klick, kann für Übungszwecke auch ausgedruckt werden.

Vorbereitung:

Wenn Sie keinen Aquarellblock verwenden, spannen Sie das Aquarellpapier mit glattem Kreppband auf eine Holzplatte auf. Benutzen Sie Aquarellpapier mit mindestens 300g.

Verwendete Farben:

  Indischgelb (Ersatz: Siena natur)
  Siena natur
  Siena gebrannt (kein Ersatz) 
  Ultramarinblau (Ersatz Kobaltblau dunkel oder Ultramarin feinst)
  Preußischblau (Ersatz Pariserblau oder Phthaloblau)   


Egal, ob Sie vor Ort oder nach Fotos malen - eine Skizze ist immer empfehlenswert, eigentlich fast zwingend notwendig. Warum? Nun, beim Skizzieren können Sie Fehler machen, radieren, darüberzeichnen, so lange verändern, bis die Skizze für Sie stimmt.
Die Komposition kann korrigiert werden, die Perspektive (Linearperspektive) und die Tonwerte können überprüft und angepasst werden. Wenn Sie all das auf dem Aquarellpapier machen und dabei vielleicht noch radieren, ist auch das beste Papier bald schmutzig und beschädigt. Stimmt aber die Skizze, braucht sie nur mehr auf das Aquarellpapier übertragen werden - notfalls mit einem Hilfsraster. Nebeneffekt: Wenn man sich beim Skizzieren schon mit dem Motiv beschäftigt hat, ist dieses gewissermaßen bereits "im Kopf"...

Auch wenn ich normalerweise ohne Vorzeichnung zu malen beginne - eine Skizze mache ich vorher immer!

Machen auch Sie nun eine Skizze, nicht größer als eine Postkarte, also maximal 12x15 cm. Zeichnen Sie aber nicht von meiner Skizze ab, sondern vom Foto (kann vergrößert und ausgedruckt werden). Beschwindeln Sie sich nicht selbst.

Ich habe einige Dinge an der Skizze verändert, vor allem habe ich den Hintergrund stark vereinfacht.


Der Block bzw. das Malbrett sollte schräg liegen - Neigung etwa 30°.

Ich mische nun mit Ultramarin und Siena gebrannt einen warmen Grauton.

Mit dieser Mischung und einem 2cm- Flachpinsel lege ich nun auf das trockene Papier das Dach der Scheune grob an.

Solange die Farbe noch nass ist, lasse ich den Farbton mit einem feuchten, sauberen Pinsel nach unten weich verlaufen. Da das Brett schräg liegt, wird ein "Ausblühen" vermieden.
 

Mischen Sie zuerst 2 Farbtöne:

  • Stumpfes Grün aus Preußischblau mit Siena natur, evtl. etwas Siena gebrannt dazu.
  • Gelbton aus Siena natur mit etwas Indischgelb oder Echtgelb.

Jetzt erst befeuchten Sie mit einem 4cm Flachpinsel (oder großen Rundpinsel) und sauberen Wasser den oberen Hintergrund (bis zum Zaun) mit Ausnahme der Scheune und des Baumes rechts.

Arbeiten Sie die nächsten Schritte sehr zügig, denn das Papier muss zum Anlegen des Hintergrundes nass bleiben.
 

Tropfen Sie auf das nasse Papier etwas verdünntes Ultramarin und verteile es vorsichtig. Die Ränder sollen weich verlaufen.

(Auf dem Foto ist der Hintergrund undefinierbar hell, ich fand Blau einfach freundlicher.)

Auf dem nassen Papier verläuft die Farbe sehr gut - legen Sie den Block bzw. die Malplatte dazu eben auf die Arbeitsfläche.

 

Jetzt tropfen bzw. tragen Sie einige Gelbtöne und auch das stumpfe Grün auf.

Achten Sie unbedingt darauf, dass noch blaue Flecken (Himmel) sichtbar sind.

Die Farben sollen weich fließen und sollen sich auch auf dem Papier mischen. Dennoch müssen die Blau-Gelb-und Grüntöne erkennbar bleiben. Nicht alles zumalen!

Jetzt kann getrocknet werden.


  Üben Sie das unbedingt vorher auf einem Rest Aquarellpapier. Zeichenpapier ist nicht geeignet, da verhalten sich die Farben ganz anders. Beobachten Sie auch, wie sich die Farben - immer abhängig vom Feuchtigkeitsgrad der Fläche - unterschiedlich verhalten.

Für die Wiesenflächen nehmen Sie wässeriges Gelb und solange das Gelb noch nass ist, setzten Sie einige kleine grüne Striche sowie Siena gebrannt darauf.

Das Grün mischen Sie sich aus Ultramarin und Gelb (Echtgelb, Indischgelb).

Sie werden sehen, die Farben mischen sich ganz von alleine auf dem Papier. Vorausgesetzt, der Gelbauftrag war noch nass!
 

 

Nun wird noch der Weg sehr locker angelegt - nicht zugemalt.

Ideal dazu ist sehr wässeriges Ultramarin mit ein wenig Siena gebrannt. Danach gab ich noch sehr wässeriges Siena Natur dazu.
 

Das Fachwerk lege ich mit einem hellen Grauton aus Ultramarin und Siena gebrannt an. Ich verwende dazu einen Flachpinsel (weil's sehr schnell geht), aber auch ein Rundpinsel ist geeignet.

Damit die Fachwerkstreben nicht zu gleichmäßig wirken, nehme ich mit einem Taschentuch etwas Farbe ab, bevor diese trocknet.
 

Den Schatten unter dem Dach habe ich vergessen.

Also:
Dunklen Grauton (wie oben) auftragen und sofort mit einem sauberen, nassen Pinsel nach unten ziehen. Dazu nur mit der Pinselspitze den untersten Rand der nassen Schattenfarbe berühren.

Da das Brett immer noch schräg liegt, wird ein "Ausblühen" vermieden.
 

Mischen Sie jetzt einen Grünton aus Ultramarin und Siena natur.

Nun einen zweiten Grünton mit zusätzlich etwas Siena gebr.  und einen dritten, kühleren Grünton, dem Sie noch etwas Preußischblau zugeben.

Füllen Sie nun einen großen Rundpinsel mit Farbe und streifen Sie den Pinsel gut ab, er darf nicht tropfnass sein.
Halten Sie den Pinsel sehr schräg und setzten Sie unregelmäßige Flecken auf den Hintergrundbereich - der ja gleich Baumgruppen darstellen soll. Setzen Sie diese Flecken ohne neu Farbe aufzunehmen - der Ton wird immer heller.

Machen Sie dies mit allen drei Grüntönen, wobei sich die dunkleren, blaugrünen Flecken bei der Dachkante und am unteren Teil des Hintergrundes befinden sollen. 
Lassen Sie nun das Papier trocknen.
 


Dann ziehen Sie mit einem feineren Pinsel (auch Schlepper o. Ä.) und dunklerem Grau(braun) einige Baumstämme und Äste in den Hintergrund. Mischen Sie dazu wieder Ultramarin und Siena gebrannt. Achten Sie darauf, dass die Baumstämme nicht zu braun werden, das wirkt unnatürlich.

  Die Stämme und Äste werden nicht durchgezogen (das passiert Anfängern sehr oft). Nutzen Sie die entstanden Flecken und Ränder, sehen Sie diese als "Laubbüschel" und dazwischen legen Sie die Stämme, Äste und Zweige an.

Achten Sie auch darauf, dass Baumstämme nicht zu gleichmäßig (wie Zinnsoldaten) angeordnet werden. Auch die Tonwerte (Helligkeitsunterschiede) sollen unterschiedlich sein.

Das ist eine der lustigsten Arbeiten bei dieser Übung, erfordert natürlich aber einige Übung - und vor allem - Phantasie!
 

Für die Türe der Scheune nehmen Sie zuerst wässeriges Blau. Nach dem Trocknen lasieren Sie unregelmäßig mit Siena gebrannt darüber.


Das Gebüsch malen Sie mit der dunklen, blaugrünen Farbe (von oben) wie vorhin die Laubbüschel, jetzt aber mit kleineren Flecken.

Anschließend - mit der gleichen Farbe - kommen noch ein paar kleine Äste dazu.

Da der Untergrund ja bereits gelblich war, wirkt der Strauch nur sehr lebendig, ohne dass er zu "genau" erscheint und dadurch vom eigentlichen Motiv ablenkt.
 


Nun wird mit einer dunklen, sehr nassen Mischung aus Ultramarin und Siena gebrannt der Stamm gemalt. Am rechten Rand lassen Sie einen unregelmäßigen Streifen frei! Beim Gebüsch scheint stellenweise der Stamm durch, also setzten wir dort einige kleine, unregelmäßige dunkle Flecken.

Das alles muss sehr schnell geschehen, die dunkle Farbe muss nass bleiben. Gegebenenfalls fangen Sie zuerst unten, mit den Flecken an.

Jetzt tragen Sie stark verdünntes Siena gebrannt in die frei gelassenen Stellen des Baumstammes auf. Die wässerige Farbe vermischt sich mit der noch nassen dunklen Farbe. Es sollte eine unregelmäßige, lockere, "aquarellistische" Struktur entstehen.
 

Zum Schluss tönte ich den Weg im Vordergrund etwas dunkler, um etwas mehr Tiefenwirkung zu erzielen.

Einige (bewusst recht schlampig gemalte) Details wie die kleine Bank und den Zaun setzte ich noch dazu.

  Ganz feine Details können Sie auch mit einem dunklen Aquarellstift hinzufügen. Wenn Sie diesen Bereich noch leicht befeuchten, merkt man kaum etwas vom "Stifteinsatz".


Vorsicht: Durch zu viele Details kann ein Bild schnell zum Kitsch werden. Aber das ist (gottlob) Geschmackssache....


FERTIG!
Freilich - solche Demonstrations-Aquarelle werden nur ganz, ganz selten auch gute Bilder. Es sind halt nur Demonstrationsbeispiele....

Ich male sie nur, um die verschiedenen Schritte zu demonstrieren. Diese Übungen sollen jedem Nutzen bringen, egal ob man nun naturalistisch oder sehr frei malen möchte. Andererseits funktioniert das "freie, lockere Malen" meiner Meinung nach ohnehin erst dann, wenn man in der Lage ist, von der sog. "genauen" Malerei Unwesentliches wegzulassen oder zu vereinfachen.

Viel Erfolg und viel Spaß mit dieser Übung wünscht



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