Hier erfahren Sie alles über die Aquarellmalerei - von den Grundlagen bis zu unglaublichen Praxis-Tipps und Tricks

Die Luftperspektive im Aquarell

Mit einfachsten Mitteln kann bereits eine räumliche Tiefenwirkung erzielt werden. Egal, ob wir zeichnen oder malen, die vorhandenen Helligkeitsunterschiede in der Landschaft sollen wir immer in unser Bild einbeziehen, gegebenenfalls verstärken. Wir haben es sicher schon unzählige Male wahrgenommen, dass weit entfernt liegende Objekte viel heller erscheinen. Besonders stark ausgeprägt empfinden wir dies beim weichen Abendlicht. Wer kennt sie nicht, diese silhouettenartige Wirkung bei Hügel- oder Berglandschaften.

Warum ist das so?
Leider sind In der Luft immer feine Staubpartikel und - je nach Luftfeuchtigkeit - Wasserdampf enthalten. Hinzu kommen sog. "Streueffekte“, die durch die verschiedenen Temperaturschichten entstehen. Dadurch tritt eine Streuung des Lichts ein, der Kontrast weit entfernter Motive wird mit der Entfernung geringer und sie wirken heller und unschärfer. Ja nach Wetterlage und Tageszeit können sich Konturen von Objekten sogar vollkommen auflösen.

Dieses Phänomen setzen wir natürlich ein, gegebenenfalls verstärken wir es sogar. Das folgende, einfache Beispiel soll das veranschaulichen.


Auf diesem Foto (übrigens fast vor meiner Haustüre aufgenommen) sind die unterschiedlichen Helligkeitswerte sehr klar zu erkennen. Eigenartigerweise erkennt man diese unterschiedlichen Tonwerte auf Fotos viel schneller....

Um Tonwerte besser festzustellen, blicken manche Maler durch eine kleine, angerußte oder geschwärzte Glasscheibe. Mit einem einfachen Trick erkennen Sie diese aber auch ohne Hilfsmittel:

Schließen Sie Ihre Augen soweit, dass Sie nur mehr durch einen ganz schmalen Schlitz sehen. Da Sie nun praktisch durch die Wimpern sehen, werden alle unwichtigen Details "weggefiltert" und Sie sehen das Motiv fast schwarz-weiß, erkennen dadurch die Tonwerte (Helligkeitsabstufungen) wesentlich besser. Das erfordert etwas Übung (und man sieht nicht immer gerade gut aus), hilft aber ungemein!

Fertigen Sie nun eine kleine Bleistiftskizze an. Versuchen Sie, mit schnellen Schraffuren die unterschiedlichen Tonwerte darzustellen. Die genaue Übernahme des Motivs ist dabei nicht so wichtig. Beachten Sie aber, dass näher liegende Objekte (in meinem Beispiel die Heustadel) etwas weiter vorne liegen. So liegt der größte Stadel auch eine Spur vor den anderen Hütten, also am Papier weiter unten.

Versuchen Sie, mit 5 - maximal sechs Tonwerten (Helligkeitsstufen) auszukommen. Das hört sich leichter an als es umzusetzen ist, gerade wenn man direkt vor der Natur arbeitet.

Als Nächstes mache ich von diesem Motiv eine schnelle, monochrome Studie in Sepia. Sie können aber auch Indigo, Neutraltinte oder verdünnte Tusche verwenden.

Ich lasse mich dabei nicht auf Details ein und versuche, nur die großen Formen - und diese flächenmäßig - darzustellen. Einzig beim Vordergrund nutzte ich die Trockenpinseltechnik (siehe Grundlagen). Das alles soll sehr schnell geschehen, wobei natürlich Trockenpausen notwendig sind.
Alleine durch diese unterschiedlichen Grautöne bekommt diese schnelle Tonwertskizze bereits den Anschein von Dreidimensionalität.

Um die Tiefenwirkung noch mehr zu steigern, füge ich nun im Vordergrund noch einige wenige Details hinzu. Ein paar Punkte und Striche, um Strukturen im Vordergrund anzudeuten, ein "schlampiger" Bretterzaun drängt die restlichen Objekte noch mehr zurück, obwohl die Hütten doch sehr viel Dunkler sind.

Aber wir wissen ja: Durch die "Luftperspektive" werden im Hintergrund liegende Objekte nicht nur heller, sondern auch undeutlicher dargestellt, also können im Vordergrund liegende Dinge etwas genauer dargestellt werden. Obwohl ich keine Gräser und Blumen gemalt habe, entsteht aber der Eindruck, sie wären vorhanden. Und das genügt....

 


Bevor Sie diese Übung machen, sollten Sie unbedingt vorher die allgemeinen Bemerkungen über die Perspektive lesen!


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