Haus in der Toskana

Ein fast schon "abgedroschenes" Motiv aus der Toskana soll uns hier als Übungsbeispiel dienen. Es eignet sich aber hervorragend, um zu demonstrieren, wie mit einfachsten Mitteln Vordergrundstrukturen erzeugt werden können.
Selbstverständlich könnte man dieses Motiv mit sehr starken Kontrasten und Überzeichnungen auch fast expressiv verfremden (war bis vor nicht allzu langer Zeit ja fast "Mode"), jedoch sieht man sich an diesen Effektbildern sehr schnell satt. Dennoch habe ich dieses Motiv auch in dieser Art gemalt - Sie finden es unter "Toskana - expressiv"
 

Bitte beachten Sie: 

Der Text zu den einzelnen Schritten der Lektionen ist bewusst sehr knapp gehalten. 
Die hier gezeigte Vorgangsweise ist nur eine Variante von vielen Möglichkeiten. Die verwendeten Farben sind Vorschläge bzw. Anregungen. Entsprechend den Wünschen meiner Kursteilnehmer gehe ich gelegentlich auch ins Detail.
Das können Sie natürlich ignorieren.


ACHTUNG: Für gute Ergebnisse ist es wichtig, alle Erläuterungen genau zu lesen, gerade bei diesem oder ähnlichen Motiven. Alleine nach den Abbildungen zu malen geht garantiert daneben.

Vorbereitung:

Wenn Sie keinen Aquarellblock verwenden, spannen Sie das Aquarellpapier mit Klebestreifen (Kreppband) auf eine Holzplatte auf. Benutzen Sie gutes Aquarellpapier mit mindestens 300g.


Bild vergrößern mit Klick, kann für Übungszwecke auch ausgedruckt werden.

Verwendete Farben:

  Reingelb (Ersatz Zitronengelb oder Kadmiumgelb hell)
  Seine Natur (Ersatz Goldocker)
  Lasurorange
  Siena gebrannt (kein Ersatz) 
  Bergblau (kein Ersatz)
  Ultramarinblau (Ersatz Kobaltblau dunkel oder Ultramarin feinst) 
  Phthalogrün (oder Chromoxidgrün feurig)


Egal, ob Sie vor Ort oder nach Fotos malen - eine Skizze ist immer empfehlenswert, eigentlich fast zwingend notwendig. Warum? Nun, beim Skizzieren können Sie Fehler machen, radieren, darüber zeichnen, so lange verändern, bis die Skizze für Sie stimmt.
Die Komposition kann korrigiert werden, die Perspektive (Linearperspektive) und die Tonwerte können überprüft und angepasst werden. Wenn Sie all das auf dem Aquarellpapier machen und dabei vielleicht noch radieren, ist auch das beste Papier bald schmutzig und beschädigt. Stimmt aber die Skizze, braucht sie nur mehr auf das Aquarellpapier übertragen werden - notfalls mit einem Hilfsraster. Nebeneffekt: Wenn man sich beim Skizzieren schon mit dem Motiv beschäftigt hat, ist dieses gewissermaßen bereits "im Kopf".....
Auch wenn ich normalerweise ohne Vorzeichnung zu malen beginne - eine Skizze mache ich vorher immer!

Zeichnen Sie nun eine Skizze, nicht größer als eine Postkarte, also etwa 12x15 cm. Zeichnen Sie aber nicht von meiner Skizze ab, sondern vom Foto (kann vergrößert und ausgedruckt werden). Beschwindeln Sie sich nicht selbst.

Ich habe das Motiv ein klein wenig verändert, auch die Bäume wurden ein wenig anders gesetzt. Widerstehen Sie der Versuchung, zu sehr ins Detail zu gehen. Achten Sie darauf, das Hauptmotiv (Haus) nicht in den Bildmittelpunkt zu setzen.
 

  Verwenden Sie für die Vorzeichnung keinen zu weichen Bleistift. Ein HB-Stift oder ein Schulstift mit Härtegrad 2 ist meiner Meinung nach ideal. In manchen Büchern kann man lesen, man soll mit weichem Stift vorzeichnen. Ich halte das für nicht gut, da weiche Stifte sehr schmieren und so das Aquarell leicht verschmutzen. Ebenso falsch wäre es, einen zu harten Stift zu verwenden. Da können bei stärkerem Druck kleine "Gräben" entstehen, worin sich dann die Farbpigmente sammeln und so die Linien verstärken. Allerdings gibt es Maler, die genau dies wünschen und daher diese Methode bewusst einsetzen.
Das Ziel sollte sein, ein Aquarell möglichst ohne Vorzeichnung zu malen. Da bei diesem Onlinekurs aber auch viele Neueinsteiger mitmachen, werde ich bei den Lektionen meist sparsame Vorzeichnungen als Orientierungshilfe einsetzen.


Der Block bzw. das Malbrett sollte schräg liegen - Neigung etwa 30°.

Nun wird die Skizze auf das Aquarellpapier übertragen. Es sollten nur die wichtigsten Umrisse übertragen werden - die Zypressen zeichne ich ganz bewusst nicht ein. Sie würden dem lockeren Farbauftrag später nur hinderlich sein, da man immer versucht ist, um die Zeichnung herum zu malen. Das Radieren auf dem Aquarellpapier sollten Sie möglichst vermeiden.
 


Da ich eine belebende Wolkenstimmung auf dem ansonsten langweiligen Bild haben möchte, male ich auf teilweise befeuchtetem Papier.

Mit (vorzugsweise leicht schmutzigem) Wasser befeuchte ich den Himmel, lasse aber einige unregelmäßige weiße Papierflecken dort stehen, wo die Wolken ihren Weißbereich erhalten sollen. Nur das Gebäude spare ich aus.
Jetzt wird - solange der Wasserauftrag noch nass ist - mit schnellen Pinselstrichen auf der Unterseite der Wolken ein heller, blauer 'Himmelton' aus Kobaltblau dunkel und viel Wasser aufgetragen. Zu den Wolken hin soll der Farbauftrag mit dem Wasser leicht verlaufen.
Nun wird ein etwas dunklerer Blauton oberhalb der Wolken angebracht, auch hier soll sich die Farbe auf dem Papier mit dem Wasser vermischen. Das erfordert zügiges Arbeiten!

Zum Schluss wasche ich den Pinsel aus, trockne ihn zwischen Haushaltskrepp und gestalte eventuelle harte Farbübergänge bei den Wolken weich. Natürlich sollten die Farbaufträge noch nass sein...

Ein weicher Hake Ziegenhaarpinsel eignet sich dafür besonders gut. Ich verwende ihn auch sehr gerne zum zügigen Auftragen größerer Farbflächen - super!

Eine wässerige Mischung aus Siena natur und wenig Lasurorange lege ich flott über das gesamte Gebäude sowie über den Vordergrund, wobei ich den linken unteren Bereich locker ausspare. Ich möchte das Bild hier nicht total zumalen, da der Vordergrund nicht viel an Struktur hergibt. Das ist aber eine persönliche Sache.

  Selbst für kleinste Mengen Farbe zum Abtönen sollten Sie die Farbe niemals direkt aus dem Näpfchen nehmen. Mischen Sie sie immer vorher mit etwas Wasser in einer Palettenvertiefung an - und erst von dort nehmen Sie eine kleine Menge mit der Pinselspitze auf.
 


Nun sollte Ihr Bild so ähnlich wie hier aussehen.

Beachten Sie bitte, dass der Farbauftrag für den Vordergrund sehr unregelmäßig und auch fleckig ist. Hier können Sie unbesorgt mit der gleichen Farbe nochmals auf die noch feuchte Fläche gehen, diese "Unruhe" wird später das fertige Bild zusätzlich beleben.

Wichtig dabei ist allerdings, dass Sie lasierende, also durchscheinende Farben verwenden. Also Vorsicht bei Ocker!

Es gibt viele hervorragende Maler (wie auch Bernhard Vogel), die traumhaft leuchtende Aquarelle mit unzähligen, transparenten Farbaufträgen malen. Dabei werden aber peinlich genau deckende oder opake Farben vermieden. Lasuren mit nichttransparenten Farben machen jedes Bild stumpf und tot.


Nach dem Trocknen lege ich die gleiche Farbmischung - aber mit etwas mehr Lasurorange - noch einmal über die Dachfläche, wobei ich die Dachkanten stärker betone. Anschließend tupfe ich mit einem Tuch (Windel) die nasse Farbe unregelmäßig ab.

Ein Flachpinsel mit scharfer Kante eignet sich nicht nur hervorragend zum Anlegen von Flächen, sondern ich nutze die Pinselkante auch für lockere Details, wie hier bei den Dachkanten.

Trocknen lassen. Zuhause benutze ich dafür meist einen Fön.
 

Die Fassade lege ich wieder mit einer hellen Mischung aus Siena natur und wenig Lasurorange an, und solange diese Fläche noch nass ist, lasse ich einen dunklen Auftrag aus Kobaltblau und Siena gebrannt nach unten verlaufen. Das funktioniert natürlich nur bei geneigtem Malblock.

Dieser Farbauftrag sollte in einem Zug geschehen, nur dann erhalten Sie einen weichen, duftigen Verlauf. Vermeiden Sie nach Möglichkeit, den Pinsel ein zweites Mal anzusetzen, dies wird fast immer zu unerwünschten Flecken führen.
 


Mit Mischungen aus Kobaltblau und Siena natur male ich nun ganz locker (also auf keinen Fall genau!) die Hügel im Hintergrund. Vermeiden Sie hier unbedingt Details, diese würden den Hintergrund "nach Vorne" bringen.

Auch dazu verwende ich vorzugsweise meinen "Zauberpinsel" (Flachpinsel DaVinci - Serie 18 - Größe 20).
 

Mit Kobaltblau und Siena natur mische ich einen stumpfen Grünton und male das Gebüsch links und rechts vom Gebäude.

Solange die Farbe noch nass ist, gebe ich bei den größeren Büschen oben einen Tropfen wässeriges Reingelb dazu. Dieser "blüht aus" - und man erhält eine laubähnliche Struktur.


Nun mische ich ein warmes Grün aus Phthalogrün mit Siena gebrannt - nicht allzu zu dunkel, da es sich um eine erste "Untermalung" handelt.

Nun kommt mein Ziegenhaar-Flachpinsel (Hake) wieder zum Einsatz. Sie können diesen Effekt aber auch mit einem ganz billigen Kuchenpinsel aus Naturborste erzielen, auch dünne Borsten-Anstreicherpinsel sind dazu geeignet.

Ich fülle den Pinsel satt mit der Farbmischung und lege den Pinselflach auf das Papier (siehe Abbildung) und drücke bzw. schiebe ihn ganz leicht etwa 3 bis 5mm nach Oben. So male ich die gesamte Fläche - mit Ausnahme des linken unteren Bereiches, den ich ja nicht "zumalen" möchte. Es sollte jedoch kein gleichmäßiges Muster (durch zu gleichmäßige Pinselauflage) entstehen. Unregelmäßige grasähnliche Strukturen sind aber erwünscht.
Diese Arbeit erfordert etwas Übung, man sollte vorher auf einem Rest Aquarellpapier üben. 
Keine Angst - auch wenn man den Pinsel nach Oben schiebt und sich dabei die Borsten verbiegen - die halten das aus. Jedoch sollte man danach den Pinsel durch Auswaschen wieder in Form bringen.   
 

HINWEIS:
Selbstverständlich liegt es jedem frei, einen der vielen fertigen Grüntöne zu verwenden. Allerdings sind die meisten dieser Grüntöne kaum direkt zu verwenden, müssen also wiederum vermischt werden. Genau deshalb verwende ich seit Jahren nur mehr dieses intensive Phthalogrün (oder Chromoxydgrün feurig etc.) in Verbindung mit Siena gebrannt und erziele hiermit wunderbare, natürlichen Grüntöne....

 
Mit Phthalogrün, Siena gebrannt und ganz wenig Kobaltblau mische ich nun eine lockere Mischung für die Zypressen.
Mit einem mittelgroßen Rundpinsel oder Katzenzungenpinsel male ich nun recht flott, von oben beginnend, mit kurzen kleinen Strichen diese schlanken Bäume. Auch für den Stamm verwende ich die gleiche Farbe. Es wäre unklug, braune Stämme (es gibt in der natur auch kein Braun) auf diese Entfernung zu verwenden....

Achten Sie unbedingt darauf, dass die Bäume nicht wie Soldaten im gleichen Abstand stehen. Sollte das in der Natur (oder auf einem Foto) der Fall sein, so ändern Sie das unbedingt!


So ähnlich sollte nun auch Ihr Bild aussehen.

Damit der Weg etwas plastischer wird, lege ich eine verdünnte Mischung des Grüntones für die Zypressen an den linken Wegrand und verwasche vorsichtig die Ränder gleich mit klarem Wasser.

Mit ein wenig Siena gebrannt gestalte ich gleich die Bereiche in Hausnähe etwas lebendiger.
 

Außerdem lege ich mit einem Flachpinsel eine sehr dünne Lasur aus Reingelb über Teile der Wiese, um sie lebendiger wirken zu lassen. Das ist ein alter Trick, der aber nur dann wirklich wirkt, wenn die Lasur auf absolut trockenen Untergrund und mit einem Pinselstrich aufgetragen wird.
Über den Bereich der Berge lege ich eine dünne Lasur Bergblau, damit sie weiter zurücktreten.
Stimmt - das hätte ich bereits vor dem Malen der Zypressen machen sollen......
 


Jetzt bin ich fast fertig. Einige (aber doch wichtige) Kleinigkeiten fehlen noch:

Mit einem dunkleren Grün aus Phthalogrün mit Siena gebrannt füge ich noch einfache Grasbüschel - Strukturen hinzu. Dazu verwende ich einen Borsten-Fächerpinsel. Achtung: Die teuren Fächerpinsel aus Haar sind dafür nicht geeignet.

Diesen Pinsel fülle ich mit Farbe, drücke ihn sehr flach und sanft auf das Papier und schiebe ihn in leichtem Bogen nach vorne - also gegen die Borstenrichtung und hebe ihn ab. Das soll eine ganz leichte, runde Bewegung sein, Sie sollte das auf einem anderen Blatt vorher ausgiebig üben.
Auf diese Weise entsteht aber ohne viel Aufwand schnell eine natürliche Struktur.

Mit dem gleichen Fächerpinsel und einer Mischung aus Lasurorange und ganz wenig Krapplack (oder einem anderen Rot) tupfen Sie vorsichtig einige schwache Spuren von Klatschmohn in den hinteren Teil der Wiese.
Wer mag, kann auch mit einem kleinen Rundpinsel einige "Mohnblumentupfer" in den Vordergrund setzen. Aber Vorsicht - hier guckt schnell der Kitsch um die Ecke....

Zu guter Letzt werden die Fenster eingesetzt, der Kamin "gebaut" und einige Kleinigkeiten verstärkt, wie Dachkanten und angedeuteter Schatten unter den weiter vorne stehenden Zypressen. Verzichten Sie aber auf zu feine Details - ein Aquarell sollte nie ein Fotoersatz sein.
Beachten Sie die ganz knapp unter der Dachkante liegenden Fenster, typisch für diese Region Italiens.


FERTIG!

Das war nun wirklich ein ganz einfaches Demonstrations-Beispiel. Aber es wurden alle Elemente behandelt, um auch eine aufwändigere südliche Landschaft zu malen.

Ich male diese Lektionsbilder nur, um die verschiedenen Schritte zu demonstrieren. Diese Übungen sollen jedem Nutzen bringen, egal ob man nun naturalistisch oder sehr frei malen möchte. Andererseits funktioniert das „freie, lockere Malen" meiner Meinung nach ohnehin erst dann, wenn man in der Lage ist, von der sog. „genauen" Malerei Unwesentliches wegzulassen oder zu vereinfachen.

Sie müssen sich nicht sklavisch an die von mir vorgegebenen Farben halten. Meine Farbvorschläge bringen jedoch garantiert stimmige Bilder, daher sind  gerade  Anfänger damit immer auf der sicheren Seite. 
Verwenden Sie bei weiteren Übungen aber ruhig auch "Ihre" Farben. Wichtig dabei ist nur, dass das Ergebnis nicht zu bunt wird. Meist kommt man mit sehr wenigen Farben zu den besten Ergebnissen.....

Es gibt auch eine Lektion über die spielerische, expressive Umsetzung dieses "Standardmotivs" - unter "Haus in der Toskana (2)".

Viel Erfolg und viel Spaß mit dieser Übung wünscht


  
Wenn Ihnen mein Onlinekurs gefällt, würde ich mich über einen
Gästebucheintrag sehr freuen.