Schneeschmelze bei Inzell

In Oberbayern, nicht weit entfernt von Bad Reichenhall oder Salzburg liegt der verträumte, malerische Ort Inzell. Bekannt vor Allem als Mekka des Eisschnelllaufes durch seine Eisstadien und Natureisbahnen bietet jedoch Inzell auch eine weitläufige Naturlandschaft, die zum Wandern und Schauen einlädt. Inzell ist das ganze Jahr über einen Besuch wert - nicht nur für Maler...

Bitte beachten Sie: 

Der Text zu den einzelnen Schritten der Lektionen ist bewusst sehr knapp gehalten. 
Die hier gezeigte Vorgangsweise ist nur eine Variante von vielen Möglichkeiten. Die verwendeten Farben sind Vorschläge bzw. Anregungen. Entsprechend den Wünschen meiner Kursteilnehmer gehe ich gelegentlich auch ins Detail.
Das können Sie natürlich ignorieren.

Achtung: Für gute Ergebnisse ist es wichtig, alle Erläuterungen genau zu lesen. Alleine nach den Abbildungen zu malen geht garantiert daneben.


Das Foto kann mit Klick in neuem Fenster vergrößert und für Übungszwecke auch ausgedruckt werden.

Verwendete Farben:

  Indischgelb (Ersatz: Siena natur)
  Lasurorange
  Siena gebrannt (kein Ersatz) 
  Krapplack (oder ein anderes, dunkles Rot wie z.B. Magenta)
  Phthalogrün (Ersatz: Chromoxydgrün feurig)
  Ultramarinblau (Ersatz Kobaltblau dunkel oder Ultramarin feinst)
  Preußischblau (Ersatz Pariserblau oder Phthaloblau)   


Egal, ob Sie vor Ort oder nach Fotos malen - eine Skizze ist immer empfehlenswert, eigentlich fast zwingend notwendig. Warum? Nun, beim Skizzieren können Sie Fehler machen, radieren, darüberzeichnen, so lange verändern, bis die Skizze für Sie stimmt.
Die Komposition kann korrigiert werden, die Perspektive (Linearperspektive) und die Tonwerte können überprüft und angepasst werden. Wenn Sie all das auf dem Aquarellpapier machen und dabei vielleicht noch radieren, ist auch das beste Papier bald schmutzig und beschädigt. Stimmt aber die Skizze, braucht sie nur mehr auf das Aquarellpapier übertragen werden - notfalls mit einem Hilfsraster. Nebeneffekt: Wenn man sich beim Skizzieren schon mit dem Motiv beschäftigt hat, ist dieses gewissermaßen bereits "im Kopf".....
 
Auch wenn ich meistens ohne Vorzeichnung zu malen beginne - eine Skizze mache ich vorher immer!
Zeichnen Sie nun eine Skizze, nicht größer als eine Postkarte, also etwa 12x15 cm. Zeichnen Sie aber nicht von meiner Skizze ab, sondern vom Foto (kann vergrößert und ausgedruckt werden). Beschwindeln Sie sich nicht selbst.
Zu diesem Motiv:
Wie Sie sehen, habe ich die Hütte etwas aus dem Mittelpunkt nach links verschoben, auch die hervorlugenden Bergspitzen wurden etwas vergrößert. Das darf ich als Maler unbesorgt tun. Wichtig war mir dabei die Festlegung der Tonwerte sowie das "Vertrautwerden" mit dem Motiv...
 

  Verwenden Sie für die Vorzeichnung keinen zu weichen Bleistift. Ein HB-Stift oder ein Schulstift mit Härtegrad 2 ist meiner Meinung nach ideal. In manchen Büchern kann man lesen, man soll mit weichem Stift vorzeichnen. Ich halte das für nicht gut, da weiche Stifte sehr schmieren und so das Aquarell leicht verschmutzen. Ebenso falsch wäre es, einen zu harten Stift zu verwenden. Da können bei stärkerem Druck kleine "Gräben" entstehen, worin sich dann die Farbpigmente sammeln und so die Linien verstärken. Allerdings gibt es Maler, die genau dies wünschen und daher diese Methode bewusst einsetzen.
Das Ziel sollte sein, ein Aquarell möglichst ohne Vorzeichnung zu malen. Da bei diesem Onlinekurs aber auch viele Neueinsteiger mitmachen, werde ich bei den Lektionen meist sparsame Vorzeichnungen als Orientierungshilfe einsetzen.


Nachdem ich die Skizze ganz grob auf das Papier übertragen habe, decke ich mit einer Maskierflüssigkeit einige der Baumstämme sowie Zaunpfähle ab. Vorsicht: Hier entstehen (gerade bei den Fläschchen mit den Düsen) allzu leicht zu große "Patzer", die dann sehr schwer zu korrigieren sind und meist dilettantisch aussehen. Wenn dies passiert, können diese "Patzer" nach dem Trocknen vorsichtig mit dem Fingernagel entfernt werden.
Nun könnte man auf dieses Hilfsmittel ja komplett verzichten um später solche Feinheiten mit Deckweiß einzusetzen. Auch das wäre vollkommen in Ordnung - jedoch ist Papierweiß meist schöner und frischer.
Anmerkung: In diesem Beispiel musste ich später doch noch zusätzlich Deckweiß verwenden.....

Mit einem weichen Haarpinsel (Ziegenhaar ist dazu ideal - muss aber nicht sein) befeuchte ich nun den Himmelbereich gleichmäßig mit reinem Wasser - spare aber für den Wolkenstreifen einen kleinen Teil aus.

Anschließend mische ich für den Himmel einen sehr kühlen Blauton aus Pariserblau und sehr wenig Siena gebrannt.

Solange das Papier noch nass ist (also schnell arbeiten!) lege ich mit dem gleichen Pinsel den Himmel flächig an - nehme aber für den unteren Bereich etwas weniger Farbe. Der Block muss dabei leicht schräg liegen.
Da das Papier ja nass ist, verläuft die Farbe wunderbar, eventuelle "Tränen" können am Rand mit dem trockenen Pinsel weggesaugt werden. Ebenso können, wenn man will, mit dem "trockenen Pinsel" (ausgewaschen und gut ausgedrückt!) an den unteren Wolkenrändern weiche Übergänge geschaffen werden.

Wichtig aber dabei ist, dass hier immer Nass-in-Nass gearbeitet wird, da sonst unschöne Flecken und Pinselspuren entstehen.

Anschließend lasse ich alles gut trocknen. Hier kann auch mit einem Fön nachgeholfen werden. Ich mache das fast immer - es kann mir nie schnell genug gehen....


Mit der gleichen Himmelfarbe - aber mit etwas mehr Siena gebrannt male ich nun in Granuliertechnik den hervorlugenden Berg. Die sonnenbeschienene, schneebedeckte Seite lasse ich dabei weiß.

Nun befeuchte ich die Fläche für den dunklen Berg mit klarem Wasser.

Mit einer sehr kräftigen, dunklen Mischung aus Ultramarinblau und Siena gebrannt lege ich nun mit einem Flachpinsel den dunklen Wald an. Mit dem Flachpinsel deute ich vorsichtig und unregelmäßig Baumspitzen an. Nach unten verläuft die Farbe ganz weich.

In den noch nassen Farbauftrag setze ich rasch und bestimmt einige bräunlichere Flecken und sogar leicht violette (Ultramarinblau und Krapplack) und lasse alles nach unten bis zur Ebene verlaufen. Dazu neige ich, wenn nötig, den Block in die passende Richtung.

Nun beobachte ich den Farbauftrag - und bevor er anzutrocknen beginnt, setze ich mit nassem Pinsel einige gelbliche und rötliche Flecken an den unteren Rand. Dazu muss der Block wieder flach liegen, da sonst die eingetropfte Farbe nicht richtig verlaufen kann.
Durch diese Ausblühungen (siehe auch unter "Grundlagen") entstehen bizarre Muster, die Büschen oder Bäumen entsprechen.

Wichtig bei dieser Technik ist, dass die wässerige Farbe zum exakt richtigen Zeitpunkt "eingetropft" wird. Ist der dunkle Auftrag noch zu nass, verläuft die Farbe zu viel und ist kaum noch sichtbar, ist der Auftrag zu trocken, gibt's kein Ausblühen. Hier hilft nur Übung (und Erfahrung) weiter.

Den Hügel hinter der Hütte habe ich mit dem Flachpinsel gemalt, ich verwendete dazu Phthalogrün mit Siena gebrannt.


Über den noch halbnassen Farbauftrag stupfte ich mit einem Fächerpinsel und einer Mischung aus Lasurorange mit ganz wenig Phthalogrün und wenig Gelb ganz locker den Hintergrund der Baumgruppe (mit vertrocknetem Laub) auf. Dazu hielt ich den Pinsel sehr flach und "schob" ihn dabei ganz leicht nach oben - also gegen die Richtung. Keine Angst - dem Pinsel macht diese Tortur nichts aus.
(Diese sehr wichtige und tolle Technik kann ich natürlich bei einem Life-Kurs viel genauer zeigen - hier hilft nur ausgiebiges Probieren auf einem gleichartigen Papier.)

Auch über der Hütte legte ich mit der Kante dieses Fächerpinsels einige Flächen an.

 

  Wählen Sie am besten die billigen Fächerpinsel aus weicher Borste. Die sind für die Aquarelltechnik meist besser geeignet als die teuren Haarpinsel. Achten Sie aber darauf, dass der Pinsel ordentlich dicht ist. Es gibt manchmal sehr dünne Pinsel, die sich im nassen Zustand spreizen - die sind für unsere Zwecke ungeeignet.
Falls die Borsten zu lange sind, können sie vorsichtig mit einer Schere etwas gekürzt werden. Ich selbst habe mehrere Fächerpinsel - fast alle mussten gekürzt werden.

Mit dem gleichen Pinsel und der gleichen Mischung - aber jetzt etwas grünlicher - werden nun die ausgeaperten Wiesenflächen angelegt. Dies geschieht wiederum mit sehr flach gehaltenem Pinsel, dabei benutze ich sehr oft nur die Kante.

  Damit ich nicht zu viel Wasser im Pinsel habe, lege ich ihn nach der Farbaufnahme kurz auf einen Schwamm (Synthetic - kein Schaumgummi!) oder ein Schwammtuch (Wettex), um etwas Wasser abzusaugen.


Zum Vordergrund hin soll die Farbe etwas kräftiger und auch wärmer sein, also kommt mehr Siena gebrannt hinzu.

Wenn dieser erste Auftrag leicht angetrocknet ist, setze ich mit etwas dunklerer Farbe nach, um ein wenig Struktur zu erhalten. Dabei schiebe ich wiederum den sehr flachgehaltenen Pinsel ganz wenig nach oben. Manchmal genügt aber auch das bloße Auflegen des Pinsels - ausprobieren!

Achten Sie vor lauter Spaß bei dieser Technik aber darauf, dass genügend weiße, durchgängige Schneeflächen erhalten bleiben! Wenn nur viele kleine weiße Flächen übrigbleiben, sieht das gar nicht gut aus.


So ähnlich könnte Ihr Bild jetzt aussehen - wenn Sie sich exakt an dieses Tutorial gehalten haben, wird es das auch!

Nun wird der Schnee an einigen Stellen "eingefärbt". Dazu nahm ich stark verdünntes Ultramarinblau. Auch hier soll nicht die gesamte Fläche angemalt werden - es muss mehr weiße Fläche stehen bleiben.

Da ja Schnee nicht immer nur weiß erscheint, gehe ich ganz sparsam mit einem Hauch von Indischgelb + Siena gebrannt (mit viel, viel Wasser) partiell über die weißen Flächen. Man soll das Gelb (wenn's getrocknet ist) gar nicht sehen - eher nur spüren.

Die Abdeckflüssigkeit kann jetzt weggerubbelt werden.


Lasurorange + Krapplack ergibt ein schönes Rot für das Hüttendach, ist aber zu leuchtend - ich dämpfe es daher mit etwas Grün, das ja noch auf der Palette vorhanden ist.

Ich verwende dazu gerne meinen scharfkantigen Flachpinsel. Damit geht's einerseits sehr schnell - und außerdem wird der Farbauftrag flächig. Klar, mit einem kleinen Rundpinsel könnte man viel genauer arbeiten - aber gerade das möchte ich vermeiden. Abgesehen davon sieht man solchen Bildteilen sehr oft die Mühe (die vielen kleinen Pinselstriche) an - und das will ich schon gar nicht...

Mit einer kräftigen Mischung aus Siena gebrannt und Ultramarinblau (ergibt fast einen Schwarzton - ist aber nicht so stumpf) lege ich nun die dunklen Holzwände an, achte dabei aber auf die hellere (rechte) Frontseite der Hütte. Ebenso achte ich darauf, dass ich nach unten hin nicht allzu gerade abschließe. Dies sieht ansonsten so "aufgesetzt" unnatürlich aus.
 

In die noch nasse Farbe setze ich an den Schattenstellen unter den Dachkanten noch einen sehr dunklen Ton der obigen Mischung und lasse diesen verlaufen. Dies gefällt mir hier besser als exakt "übermalte" Schattenflächen.

Mit einem feinen Rundpinsel male ich nun ganz locker einige Baumstämme in den Hintergrund. Ich achte darauf, dass die Stämme nicht zu plump werden, mache eher weniger als zu viel.
Dabei halte ich mich nicht an das Foto, sondern male sie dort, wo es für mich (und mein Bild) passt. Ich male ja nicht ein naturgetreues Portrait einer Landschaft (das kann die Kamera besser), sondern eine Impression dieses Gebietes.


Jetzt kommen die dunklen Nadelbäume an die Reihe. Dazu mische ich Preußischblau (oder Pariserblau - nichts Anderes!) mit Siena gebrannt, das ergibt ein sehr dunkles, sattes Grün.
Mit einem nicht zu kleinen Rundpinsel setze ich nun mit lockeren, kurzen Strichen - von oben beginnend - die Nadelbäume ein. Wieder dorthin, wo sie in meinem Bild am besten passen. Bei den Stellen, wo Gestrüpp und Laubbäume davor stehen, male ich natürlich nur bis zu dieser Grenze - also niemals bis zum Boden!

Da mir der Bereich der Laubbäume etwas zu farblos erscheint (Sie haben ganz sicher schon beobachtet, wie "bunt" unbelaubte Laubbäume im Winter wirken können), legte ich mit der Kante des Fächerpinsels noch einige Tupfer von verdünntem Siena gebrannt darüber.
 

Falls Sie (noch) keinen geeigneten Fächerpinsel besitzen, können Sie auch einen ganz normalen dünnen Küchenpinsel aus Naturborste (natürlich fettfrei!) verwenden. Auch ein langborstiger, dünner Pinsel aus der Ölmalerei kann u. U. zu guten Ergebnissen führen.

Mit einer dünnen Lasur aus Siena gebrannt überzog ich nun auch noch die Bretterwand der Hütte, da die ausgesparten weißen Linien zu sehr dominierten.

Mit einem kleinen Rundpinsel deutete ich mit Siena gebrannt und Ultramarinblau etwas Gerümpel an der Hüttenwand an. Dies war zwar nicht vorhanden - macht sich aber immer gut, wie ich meine...
Hier kann man ruhig etwas die Fantasie spielen lassen - alles was dem Bild gut tut, ist in der Malerei erlaubt.
 

Um die Spannung im Bild etwas zu erhöhen, setzte ich deshalb auch noch einen (ebenfalls nicht vorhandenen) Zaun ein:

Ich malte die Zaunpfähle mit einer verdünnten Mischung aus Siena gebrannt und Ultramarinblau - und setzte in die noch nasse Farbe einige sehr dunkle Tupfer auf die (rechte) Schattenseite, auch dunkles Siena gebrannt setzte ich pur ein. Ich achtete aber darauf, dass die Pfähle im Hintergrund nicht nur kleiner, sondern vor allem auch heller blieben als die im Vordergrund!

 

Im Vordergrund setzte ich mit einem "Linierer" bzw. Schriftenpinsel noch einige verdorrte Gräser ein. Mit Deckweiß noch einige Baumstämme im Hintergrund eingesetzt - und das Bild war fertig:


O.k, Sie wissen es ja bereits - solche Demonstrations-Aquarelle werden nur ganz, ganz selten auch gute Bilder. Es sind halt wirklich nur Demonstrationsbeispiele....

Ich male diese Lektionsbilder nur, um die verschiedenen Schritte zu demonstrieren. Diese Übungen sollen jedem Nutzen bringen, egal ob man nun naturalistisch oder sehr frei malen möchte. Andererseits funktioniert das "freie, lockere Malen" meiner Meinung nach aber erst dann, wenn man in der Lage ist, von der sog. "genauen" Malerei Unwesentliches wegzulassen oder zu vereinfachen.
 


Sie müssen sich auch bei diesem Beispiel nicht sklavisch an die von mir vorgegebenen Farben halten. Meine Farbvorschläge bringen jedoch garantiert stimmige Bilder, daher sind gerade Anfänger damit immer auf der sicheren Seite.
Verwenden Sie bei weiteren Übungen aber ruhig auch "Ihre" Farben. Wichtig dabei ist nur, dass das Ergebnis nicht zu bunt wird. Denken Sie aber daran, dass Sie mit meinem Vorschlag zur "Grünmischung" immer auf der sicheren Seite sind....

Viel Erfolg und viel Spaß mit dieser Übung wünscht


(der sich immer über einen Gästebucheintrag freut!)