Schloss Schönbühel in der Wachau

Die Wachau gehört wohl zu den bekanntesten Landschaftsteilen Österreichs. Diese historische Weinlandschaft an der Donau ist geprägt von den Burgen und Ruinen der Kuenringer, die im Mittelalter als Raubritter die Wachau beherrschten, auch Wehrkirchen, Klöster und Schlösser prägen das Bild dieser vielbesungenen Landschaft. Ein besonderes Erlebnis ist eine Schiffsfahrt durch die Wachau. Nicht weit vom prächtigen Stift Melk stößt man auf das geschichtsträchtige Schloss Schönbühel, welches auf einem Felsvorsprung direkt an der Donau liegend - zum Fotografieren und zum Malen einlädt...

  Für gute Ergebnisse ist es wichtig, alle Erläuterungen genau zu lesen. Alleine nach den Abbildungen zu malen geht garantiert daneben.

Bitte beachten Sie: 

Der Text zu den einzelnen Schritten der Lektionen ist bewusst sehr knapp gehalten. 
Die hier gezeigte Vorgangsweise ist nur eine Variante von vielen Möglichkeiten. Die verwendeten Farben sind Vorschläge bzw. Anregungen. Entsprechend den Wünschen meiner Kursteilnehmer gehe ich gelegentlich auch ins Detail.
Das können Sie natürlich ignorieren.


Vorbereitung:

Wenn Sie keinen Aquarellblock verwenden, spannen Sie das Aquarellpapier mit Klebestreifen (Kreppband) auf eine Holzplatte auf. Benutzen Sie gutes Aquarellpapier mit mindestens 300g.


Das Foto kann mit Klick in neuem Fenster vergrößert werden.

Verwendete Farben:

  Indischgelb (Ersatz: Siena natur)
  Lasurorange
  Siena gebrannt (kein Ersatz) 
  Krapplack (oder ein anderes, dunkles Rot wie z.B. Magenta) 
  Ultramarinblau (Ersatz Kobaltblau dunkel
  Preußischblau (Ersatz Pariserblau oder Phthaloblau)   


Egal, ob Sie vor Ort oder nach Fotos malen - eine Skizze ist immer empfehlenswert, eigentlich fast zwingend notwendig. Warum? Nun, beim Skizzieren können Sie Fehler machen, radieren, darüberzeichnen, so lange verändern, bis die Skizze für Sie stimmt.
Die Komposition kann korrigiert werden, die Perspektive (Linearperspektive) und die Tonwerte können überprüft und angepasst werden. Wenn Sie all das auf dem Aquarellpapier machen und dabei vielleicht noch radieren, ist auch das beste Papier bald schmutzig und beschädigt. Stimmt aber die Skizze, braucht sie nur mehr auf das Aquarellpapier übertragen werden - notfalls mit einem Hilfsraster. Nebeneffekt: Wenn man sich beim Skizzieren schon mit dem Motiv beschäftigt hat, ist dieses gewissermaßen bereits "im Kopf".....

Auch wenn ich meistens ohne Vorzeichnung zu malen beginne - eine Skizze mache ich vorher immer!

Zeichnen Sie nun eine Skizze, nicht größer als eine Postkarte, also etwa 12x15 cm. Zeichnen Sie aber nicht von meiner Skizze ab, sondern vom Foto (kann vergrößert und ausgedruckt werden). Beschwindeln Sie sich nicht selbst.

Zu diesem Motiv:
Wichtig war mir hier nicht die Exaktheit oder die Anzahl der Fenster, sondern das Herausarbeiten der Hell/Dunkel-Werte sowie das "Hervorholen" (etwas vergrößern) des Hauptmotivs. Die Häuser im linken Hintergrund habe ich zwar angedeutet, sind aber für das Bild eigentlich unwichtig. Das Hauptmotiv habe ich aus der Bildmitte etwas nach links verschoben.


  Verwenden Sie für die Vorzeichnung keinen zu weichen Bleistift. Ein HB-Stift oder ein Schulstift mit Härtegrad 2 ist meiner Meinung nach ideal. In manchen Büchern kann man lesen, man soll mit weichem Stift vorzeichnen. Ich halte das für nicht gut, da weiche Stifte sehr schmieren und so das Aquarell leicht verschmutzen. Ebenso falsch wäre es, einen zu harten Stift zu verwenden. Da können bei stärkerem Druck kleine "Gräben" entstehen, worin sich dann die Farbpigmente sammeln und so die Linien verstärken. Allerdings gibt es Maler, die genau dies wünschen und daher diese Methode bewusst einsetzen.
Das Ziel sollte sein, ein Aquarell möglichst ohne Vorzeichnung zu malen. Da bei diesem Onlinekurs aber auch viele Neueinsteiger mitmachen, werde ich bei den Lektionen meist sparsame Vorzeichnungen als Orientierungshilfe einsetzen.


Nachdem ich die Skizze (jedoch nur die Umrisse - ohne Fenster!) auf das Papier übertragen habe, decke ich mit einer Maskierflüssigkeit die kleinen Fenster in den Dachflächen ab. Vorsicht: Hier entstehen allzu leicht zu große "Patzer", die dann sehr schwer zu korrigieren sind und meist dilettantisch aussehen. Ich selbst verzichte gerne auf solche "Feinheiten" wie diese kleinen Fenster, möchte die Vorgangsweise aber dennoch in diesem Kursbeispiel beschreiben.

Mit einem weichen, breiten Hake (Ziegenhaar-Flachpinsel) befeuchte ich nun das gesamte Blatt mit einer leichten Tönung aus Siena natur und ganz wenig Lasurorange . Speziell der Bereich unterhalb des Schlosses sollte mit einem schönen, hellen Gelb/Orange - Ton angelegt werden.
Das Lasurorange (ersatzweise auch Siena gebrannt) ist wichtig, da später in Verbindung mit Blau unerwünschtes Grün entstehen kann.
 

Solange das Blatt noch nass ist (also schnell arbeiten!) lege ich mit dem gleichen breiten Pinsel den Himmel flächig an. Ich verwende dazu nur Ultramarinblau, welches ich zuerst mit Wasser auf der Mischfläche anrühre. Nur der obere Teil des Himmels wird blau, nach unten lasse ich einen graduellen Verlauf zu, trage hier also kaum mehr Farbe auf, sondern "vertreibe" ganz vorsichtig das Blau mit dem gelblichen - noch nassen Farbauftrag.
Auch die Wasserfläche lege ich mit der gleichen Farbe an, wobei ich den Bereich unter dem Schloss ausspare, um so bereits die Spiegelung anzudeuten.

Wichtig dabei ist, dass hier immer Nass-in-Nass gearbeitet wird, da sonst unschöne Flecken und Pinselspuren entstehen.
 

Anschließend tupfe ich mit einem gefalteten Papiertaschentuch die linken Seiten von Turm und Gebäude ab, bzw. entferne so die Farbe an diesen Stellen.

Auch von den Papierrändern entferne ich überschüssige Farbe, um so ein Zurückfließen der Farbe in die Malfläche zu vermeiden.

Anschließend lasse ich alles gut trocknen.


Mit einer sehr wässrigen Mischung aus Siena gebrannt und ganz wenig Ultramarin lege ich nun die Schattenseiten der Gebäude und der Felsen an.
Dazu verwende ich einen Flachpinsel. Bei den Gebäuden erhalte ich so saubere Kanten, bei den Felsen verwende ich eine Kante des Flachpinsels.

Die unteren Kanten der Uferböschung lege ich ebenfalls mit der gleichen - etwas dunkleren - Farbmischung an. Dabei variiere ich mit unterschiedlicher Zugabe von Kobaltblau.

Ich arbeite übrigens sehr viel mit Flachpinseln. Mit etwas Übung kann man (bei guten Pinseln) mit der Kante auch feinste Linien und kleinste Fenster malen. Viele meiner Städtebilder entstanden ausschließlich mit Flachpinseln.
 


Jetzt mische ich Preußischblau mit Siena natur und erhalte ein schönes, gedämpftes Grün.

  Mit Ocker funktioniert das nicht, Ocker ist deckend - und die Mischung wird schmutzig und stumpf. Ockergelb ist zwar eine wunderschöne Farbe, wird aber ganz anders eingesetzt. Alternativ kann Indischgelb (oder ein anderes warmes Gelb) verwendet werden. Eventuell noch ein wenig Siena gebrannt zufügen.

Wiederum mit einem Flachpinsel trage ich jetzt die Grüntöne des Hintergrundes auf, dabei beschneide ich die Kanten der Häuser sehr genau. Auch wenn diese "Hintergrundbauten" bloß Staffage sind und nur ungenau wiedergegeben werden (sie lenken sonst zu sehr vom Hauptmotiv ab), setze ich hier gerade Kanten an den sichtbaren Stellen. Dafür können andere Details fast zur Gänze vernachlässigt werden. Aber auch das ist Geschmacksache und soll jeder so halten wie er will.
Fallweise setze ich in die noch nasse, dunklere Farbe einen hellen, gelblichen Tropfen und bringe so die Farbe zum Ausblühen. So entstehen fast von alleine Büsche und Sträucher. (Siehe auch "Grundlagen - Der Farbauftrag".
 

Mit einem kleineren Flachpinsel werden nun die Dächer gemalt. Dabei male ich über die gesamte Dachfläche. Dazu nehme ich Lasurorange und etwas Krapplack sowie Siena gebrannt. Die Dächer im Hintergrund male ich etwas heller - mit mehr Wasser.
Nach dem Trocknen male ich mit der gleichen Farbe nochmals über die Schattenflächen der Dächer und verstärke so die dreidimensionale Wirkung.

Mit dem gleichen, kleinen Flachpinsel werden die Strukturen der Felsen und des Ufers verstärkt. Auch dazu verwende ich die bereits für die erste Anlage verwendeten Farben.
 


Jetzt kommt der meines Erachtens "gefährlichste" Teil der ganzen Übung: Das Hinzufügen von Einzelheiten. Gerade hier ist bei Anfängern der Anreiz sehr groß, die Fenster, Kamine etc. sehr genau - zu genau - wiederzugeben und dadurch in den Kitsch abzurutschen....

Zuerst rubble ich mit den Fingern die Maskierflüssigkeit weg.
Mit einer Mischung aus Siena gebrannt und Ultramarin (ergibt einen lebendigen Grauton) werden nun die Fenster gemalt. Hier kommt nun zum ersten Mal ein kleiner Rundpinsel zum Einsatz, obwohl geübte Maler das auch mit der Kante eines Flachpinsels sehr gut (und sehr schnell) können.
Meist genügen einfache Striche für die Fenster, wobei ich darauf achte, dass nicht jedes Fenster gleich aussieht. Dies würde zu starr wirken. Durch die Spiegelung, Sonne und Schatten gleicht kein Fenster dem Anderen!

Die Fenster an der Hauptseite des Schlosses setzen sich aus jeweils vier kurzen Strichen unterschiedlicher Intensität zusammen - siehe Detailabbildung links.  


Es ist wirklich nicht nötig, hier allzu genau zu arbeiten, der Gesamteindruck ist wichtig. Je nach Anlage des Aquarells genügen sogar manchmal nur wenige (3 bis 4) angedeutete Fenster - das Auge des Betrachters vervollständigt den Eindruck ohnehin.

Die Kamine und die Dachfenster erhalten einen leichten Schatten. Damit das (ausgesparte) Weiß hier nicht zu intensiv leuchtet, erhält es eine leichte Tönung mit Siena natur.

Viel wichtiger ist, dass die Linear-Perspektive auch bei den Fenstern stimmt. (Siehe dazu die Lektion "Perspektive".) Es ist keine Schande, sich vor dem Malen der Fenster mit dem Bleistift leichte Hilfslinien anzulegen.
Vom Vorzeichnen der Fenster hingegen rate ich bei diesem Motiv ganz entschieden ab. Dies führt nur zu einem Ausmalen der Vorzeichnung - und wie beim "Malen nach Zahlen" zu meist kindlichen Ergebnissen.

Verzichten Sie also auf Einzelheiten (das kann die Kamera besser) und malen Sie bewusst flächig.
Ein Aquarell muss und soll kein Spiegelbild der Vorlage (bzw. der Natur) sein, sollten sich Fehler einschleichen - akzeptieren Sie sie, versuchen Sie nicht, diese auf Kosten der Transparenz auszubessern.
 

Für die Turmspitze nehme ich ein wässriges Preußischblau. Solange die Farbe noch nass ist, setze ich einen Tropfen dunkler Farbmischung (Preußischblau und Siena gebrannt) an die Unterseite.

Mit der Ecke eines kleinen Flachpinsels male ich nun die Vegetation an den Mauern und Felsen. Ich verwende wiederum die Mischungen von vorhin, setze ein paar Dunkelheiten mit einer Mischung von Preußischblau und Siena gebrannt hinzu.
 


Mit einem stärkeren Rundpinsel male ich nun einige kurze, verlaufende waagrechte Striche über die bislang noch helle Wasserfläche. Ich verwende dazu sehr wässrige Blautöne in unterschiedlichen Helligkeitsstufen - gemischt aus Ultramarin mit Preußischblau und Siena gebrannt.

Nicht zu dunkel dürfen diese Striche im Bereich der hellen Gelb/Orange Spiegelung unterhalb des Schlosses sein.

  Üben Sie unbedingt vorher auf einem Extrablatt diese Striche. Sie sollen locker und waagrecht aufgetragen werden, sollen idealerweise dünn beginnen und dünn enden.

Mit einer sehr dunklen Mischung aus Preußischblau und Siena gebrannt male ich nun mit einem Flachpinsel die flachen Felsen sowie die kleine Boje im Fluss.
 


Eigentlich wäre das Bild jetzt fertig. Wenn Sie mit Ihrer Übung zufrieden sind, dann machen Sie jetzt nichts mehr!

Mir aber ist das Ergebnis etwas zu leblos - einige Verstärkungen sind noch nötig. Zuerst benötige ich jetzt frisches, sauberes Wasser für die folgenden Lasuren.
Mit einer sehr dünnen Lasur aus Preußischblau und ganz wenig Siena gebrannt überziehe ich die Wasserflächen auf der linken und rechten Seite des Bildes. Der mittlere Bereich bleibt frei. Damit hier keine Kanten entstehen, tupfe ich den Übergang mit einer zusammengerollten Stoffwindel vorsichtig ab.

  Damit die darunterliegende Farbe nicht angelöst wird, mache ich das mit einem sehr weichen Ziegenhaar-Flachpinsel. Es muss auch schnell gearbeitet werden. Ein mehrmaliges Überlasieren löst die Farbe an - und alles wird stumpf und tot.
 

Und wieder habe ich etwas entdeckt  ;)  - einige Stellen im Wasser habe ich "zugemalt".

Mit der Kante eines sauberen, nassen Flachpinsels wasche ich nun mit kurzen wiederholenden Querstrichen einige "Lichter" aus der blauen Wasserfläche - und sauge die angelöste Farbe sofort mit einem Papiertaschentuch ab. Hier sollte man allerdings nicht übertreiben.

Über den gesamten Hintergrund - der sich bei mir vom Vordergrund zu wenig absetzte - lege ich nun eine dünne Lasur mit Bergblau. Dies gibt meinem Bild mehr Tiefe - der Hintergrund tritt zurück.

Und jetzt erst bin ich wirklich fertig.


Nun, Sie wissen es ja bereits - solche Demonstrations-Aquarelle werden nur ganz, ganz selten auch gute Bilder. Es sind halt wirklich nur Demonstrationsbeispiele....

Ich male diese Lektionsbilder nur, um die verschiedenen Schritte zu demonstrieren. Diese Übungen sollen jedem Nutzen bringen, egal ob man nun naturalistisch oder sehr frei malen möchte. Andererseits funktioniert das "freie, lockere Malen" meiner Meinung nach aber erst dann, wenn man in der Lage ist, von der sog. "genauen" Malerei Unwesentliches wegzulassen oder zu vereinfachen.

Sie müssen sich auch bei diesem Beispiel nicht sklavisch an die von mir vorgegebenen Farben halten. Meine Farbvorschläge bringen jedoch garantiert stimmige Bilder, daher sind gerade Anfänger damit immer auf der sicheren Seite.
Verwenden Sie bei weiteren Übungen aber ruhig auch "Ihre" Farben. Wichtig dabei ist nur, dass das Ergebnis nicht zu bunt wird. Denken Sie aber daran, dass Sie mit meinem Vorschlag zur "Grünmischung" immer auf der sicheren Seite sind....

Viel Erfolg und viel Spaß mit dieser Übung wünscht


(der sich immer über einen Gästebucheintrag freut!)