Die Farbperspektive (Farbtemperatur)

  
 Haben Sie die Luftperspektive bereits durchgearbeitet? Das ist unumgänglich, bevor Sie sich an die Farbperspektive machen....

Die Farbperspektive hat einerseits psychologische Ursachen,  andererseits wird sie durch die Physiologie des menschlichen Auges beeinflusst. Auf diese wissenschaftlichen Erkenntnisse möchte ich hier nicht weiter eingehen, kann ich auch gar nicht.

Wir alle haben bereits beobachtet, dass weit entfernt liegende Berge oder Hügel meistens bläulich erscheinen. Der Grund dafür sind Farbverschiebungen, die wie bei der Luftperspektive durch die Filterwirkung der Luft entstehen. So wird die Farbe Blau wesentlich weniger von der Luft absorbiert (weggefiltert) als beispielsweise Rot. So wirken weit entfernt liegende, rote Ziegeldächer manchmal graubraun oder sogar leicht violett, abhängig von der Luftfeuchtigkeit und den in der Luft enthaltenen Staubpartikel.

Blautöne bleiben daher (abgesehen von der Helligkeit) fast gleich, Grüntöne wirken dann bläulicher usw.

Uns erscheinen daher weit entfernt liegende Objekte meistens blauer, während Objekte im Vordergrund ihre Farbintensität erhalten. Außerdem vermitteln Objekte mit warmen Farben oder Gelbtönen fast immer den Eindruck von Nähe, während kühle Farben "zurückdrängen".
  

Es gibt aber auch hier Ausnahmen:

Nicht immer verschwinden Berge und Hügel im Dunst, bisweilen sehen Berge wetterbedingt "recht nah" aus. Auch der Horizont am Meer kann manchmal fast mit dem Himmel verlaufen, dann wieder wird das Wasser zum Horizont hin ganz dunkel, fast schwarz....


Hier verwende ich das gleiche Beispielfoto wie bei der Luftperspektive.
Sie können selbstverständlich eigene Fotos verwenden, achten Sie aber anfangs darauf, dass das Motiv nicht allzu kompliziert ist.
 

Hier sind die Blautöne sehr gut zu sehen. Der bewaldete Hügel rechts wie auch der Wald links wirkt mehr blau als grünlich.
 

 
Den Himmel sowie die hinteren Berge habe ich mit einer kühlen Mischung aus Preußischblau mit Ultramarinblau und sehr viel Wasser gemalt. Beachten Sie, dass die Helligkeitswerte zwischen dem Himmel und den beiden hinteren Bergen sehr gering sind.

Erst das hinten liegende Wäldchen und der Hügel rechts sind deutlich dunkler. Hier nahm ich (das etwas wärmere) Ultramarinblau und gab ganz wenig Siena gebrannt und eine Spur Krapplack hinzu. Der linke Wald besteht aus Preußischblau, Siena gebrannt und ganz wenig Phthalogrün.

Das Grün der Wiese ist gemischt aus Indischgelb und Preußischblau, dem ich für den Vordergrundbereich noch etwas Siena gebrannt dazugab. Für die dunklen Stadeln nahm ich Ultramarinblau (oder Kobaltblau dunkel) und Siena gebrannt. Beachten Sie die Helligkeitsunterschiede bei den Heustadeln.

Obwohl das alles komplett flächig und ohne die geringsten Details ganz schnell angelegt wurde, ist dennoch bereits Tiefenwirkung erkennbar.


Um diese (bis jetzt bescheidene) Tiefenwirkung zu steigern, habe ich noch ein wenig "getrickst":
 

Eigentlich habe ich gar nicht mehr viel gemacht.
Über Teile des Vordergrundes legte ich mit einem weichen Pinsel eine wässerige Lasur von Siena gebrannt und Indischgelb, vorne rechts nur Siena gebrannt und Wasser. Und dann kamen (wie bei der Übung "Luftperspektive") einige Stricke und Punkte für die Vordergrundstruktur und den Zaun dazu. Das war's.

Aber halt - die Telegrafenmasten habe ich auch noch eingefügt - aber das war bereits ein Vorgriff auf die Linearperspektive.…


Sie sehen also, man kann mit ganz wenig Aufwand ein nettes Aquarell mit Tiefenwirkung malen, wenn man nur einige Grundregeln der Luft- und Farbperspektive beherzigt.
 

  Bevor Sie diese Übung machen, sollten Sie unbedingt vorher die allgemeinen Bemerkungen über die Perspektive sowie die Luftperspektive lesen!


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