Hier erfahren Sie alles über die Aquarellmalerei - von den Grundlagen bis zu unglaublichen Praxis-Tipps und Tricks

Haus in der Toskana (2)

Dieses "Allerweltsmotiv" aus dem Chiantigebiet dient uns hier als Ausgangsbasis für eine sehr freie, lockere - und dennoch expressive Umsetzung.

Diese Malweise kann sehr viel Spaß machen, verzeiht auch so manche Fehler, jedoch sieht man sich recht schnell an solchen Bildern satt. Man könnte bei dieser Malweise auch Hilfsmittel (wie Strukturpasten, Leim oder Binder mit Sand, Erde, Japanpapier usw.) verwenden, was aber dann nicht mehr viel mit Aquarell zu tun hat und daher in diesem Kurs auch nicht weiter behandelt wird. Dennoch ist es recht witzig, mal auf diese Art an ein Motiv heranzugehen, da es wesentlich einfacher als das naturalistische Malen ist.
Diese Bilder leben von der Lasurtechnik. Daher ist es wichtig, die geeigneten Farben zu verwenden, da ansonsten garantiert schmutzige Farben und" tote Bilder" entstehen werden.

Bitte beachten Sie: 

Der Text zu den einzelnen Schritten der Lektionen ist bewusst sehr knapp gehalten. 
Die hier gezeigte Vorgangsweise ist nur eine Variante von vielen Möglichkeiten. Die verwendeten Farben sind Vorschläge bzw. Anregungen. Entsprechend den Wünschen meiner Kursteilnehmer gehe ich gelegentlich auch ins Detail.
Das können Sie natürlich ignorieren.


ACHTUNG: Für gute Ergebnisse ist es wichtig, alle Erläuterungen genau zu lesen, gerade bei diesem oder ähnlichen Motiven. Alleine nach den Abbildungen zu malen geht garantiert daneben.

Vorbereitung: 

Wenn Sie keinen Aquarellblock verwenden, spannen Sie das Aquarellpapier mit Klebestreifen (Kreppband) auf eine Holzplatte auf. Benutzen Sie gutes Aquarellpapier mit mindestens 300g.


Bild vergrößern mit Klick, kann für Übungszwecke auch ausgedruckt werden.

Verwendete Farben:

  Indischgelb (Ersatz: Siena natur)
  Siena natur
  Lasurorange
  Siena gebrannt (kein Ersatz) 
  Phthalogrün (Ersatz: Chromoxydgrün feurig)
  Ultramarinblau (Ersatz Kobaltblau dunkel oder Ultramarin feinst)
  Preußischblau (Ersatz Pariserblau oder Phthaloblau)   


Egal, ob Sie vor Ort oder nach Fotos malen - eine Skizze ist immer empfehlenswert, eigentlich fast zwingend notwendig. Warum? Nun, beim Skizzieren können Sie Fehler machen, radieren, darüberzeichnen, so lange verändern, bis die Skizze für Sie stimmt.
Die Komposition kann korrigiert werden, die Perspektive (Linearperspektive) und die Tonwerte können überprüft und angepasst werden. Wenn Sie all das auf dem Aquarellpapier machen und dabei vielleicht noch radieren, ist auch das beste Papier bald schmutzig und beschädigt. Stimmt aber die Skizze, braucht sie nur mehr auf das Aquarellpapier übertragen werden - notfalls mit einem Hilfsraster. Nebeneffekt: Wenn man sich beim Skizzieren schon mit dem Motiv beschäftigt hat, ist dieses gewissermaßen bereits "im Kopf".....
Auch wenn ich normalerweise ohne Vorzeichnung zu malen beginne - eine Skizze mache ich vorher immer!

Zeichnen Sie nun eine Skizze, nicht größer als eine Postkarte, also etwa 12x15 cm. Zeichnen Sie aber nicht von meiner Skizze ab, sondern vom Foto (kann vergrößert und ausgedruckt werden). Beschwindeln Sie sich nicht selbst.

Zum Motiv:
Da ich diesmal diese Ansicht etwas dramatischer darstellen möchte, wählte ich das Hochformat und legte den Horizont weit nach oben. Die Bäume zeichnete ich zwar ein, werde sie aber später dorthin setzen, wo sie mir am besten ins Bild passen. Den Hintergrund rund ums Gebäude stelle ich bereits auf der Skizze relativ dunkel dar.
 

  Verwenden Sie für die Vorzeichnung keinen zu weichen Bleistift. Ein HB-Stift oder ein Schulstift mit Härtegrad 2 ist meiner Meinung nach ideal. In manchen Büchern kann man lesen, man soll mit weichem Stift vorzeichnen. Ich halte das für nicht gut, da weiche Stifte sehr schmieren und so das Aquarell leicht verschmutzen. Ebenso falsch wäre es, einen zu harten Stift zu verwenden. Da können bei stärkerem Druck kleine "Gräben" entstehen, worin sich dann die Farbpigmente sammeln und so die Linien verstärken. Allerdings gibt es Maler, die genau dies wünschen und daher diese Methode bewusst einsetzen.
Das Ziel sollte sein, ein Aquarell möglichst ohne Vorzeichnung zu malen. Da bei diesem Onlinekurs aber auch viele Neueinsteiger mitmachen, werde ich bei den Lektionen meist sparsame Vorzeichnungen als Orientierungshilfe einsetzen.


Der Block bzw. das Malbrett sollte schräg liegen - Neigung etwa 30°.
Nun wird die Skizze auf das Aquarellpapier übertragen.

 

Mit meinem weichen Ziegenhaarpinsel lege ich nun einen sehr lockeren, lasierenden Farbauftrag aus Siena natur und Lasurorange mit viel Wasser (!) über den Großteil der Fläche. Allerdings male ich nicht die gesamte Fläche zu, sondern lasse einige Stellen frei (Granuliertechnik - siehe 'Grundlagen'), einige Stellen werden etwas dunkler - es kann auch etwas fleckig werden.
 

Bei dieser Art von Lasur- bzw. Schichtmalerei müssen die Farbaufträge immer gut durchtrocknen, da die Farben sonst schnell schmutzig werden und die Leuchtkraft verlieren. Wechseln Sie auch häufig das Wasser.

Nach dem Trocknen befeuchte ich nun zügig (ohne dabei die Farbe anzulösen) den "Himmelbereich" und lege mit wässerigem Preußischblau eine Farbschicht an, wobei ich das Gebäude exakt ausspare. Es muss nicht der gesamte Bereich gleichmäßig getönt werden.

Wie am Foto ersichtlich, habe ich hier einen Fehler gemacht - ich vergaß, das Papier vorher anzufeuchten. Also musste ich sehr schnell weiter arbeiten, damit keine scharfen Ränder stehen bleiben.
 

Solange der Farbauftrag noch nass ist, sprühe ich mit einem Zerstäuber ein wenig klares Wasser darauf.

Anschließend neige ich die Malfläche und lasse die Farbe rinnen. So kann man grobe Verläufe recht gut steuern. Fallweise kann mit einem Tropfen dunklerer Farbe auf das noch nasse Papier den Effekt noch verstärken.
Trauen Sie sich ruhig, kräftige Farbe zu verwenden - die Farben werden beim Trocknen ja noch wesentlich heller!

Was Sie nicht tun sollten:
Geben Sie keine helleren (wässerigeren) Farbaufträge in dunklere, nasse Flächen. So vermeiden Sie "Ausblühungen" mit scharfen Rändern, die Sie bei aller Freizügigkeit im Himmel wirklich nicht brauchen.
 


Jetzt geht's mit dem Vordergrund los:

Ich male nun auf trockenem Papier.

Mit einem großen Rundpinsel male ich zügig eine sehr wässerige Mischung aus Siena natur und Siena gebrannt auf den rechten Teil des Vordergrundes, lasse aber dabei einige Stellen des Papiers frei. Ich deute dabei den Verlauf des Geländes an. Den Weg spare ich aus.

Ähnlich gehe ich auf der linken Seite vor, gebe der Mischung (sollte vorher großzügig angerichtet werden) noch Lasurorange dazu. Verwenden Sie kein anderes Orange - auf gar keinen Fall Kadmiumorange, da dies deckend ist!

Es muss sehr flott gearbeitet werden, da der nächste Farbauftrag auf die noch nasse Farbe erfolgen soll.
 

Mit der Kante eines Flachpinsels (Sie können aber auch einen Rundpinsel verwenden) füge ich nun am linken Wegrand (Schatten) einige sehr dunkle, unregelmäßige Striche ein, gemischt aus Kobaltblau dunkel und Preußischblau.

Solange der Farbauftrag noch nass ist, sprühe ich vorsichtig mit einem feinen Zerstäuber klares Wasser darauf. Dass dabei Farbe in den Weg läuft, akzeptiere ich - ja begrüße es sogar.

Aber Vorsicht: Auch das sollte man vorher unbedingt üben. Der richtige Feuchtigkeitsgrad ist dabei entscheidend. Ist die Farbe zu arg nass, verrinnt alles unkontrollierbar, ist sie zu trocken, bewegt sich gar nichts.....


Nachdem alles vollständig getrocknet ist, arbeite ich mit einer Mischung aus Preußischblau und Phthalogrün (man könnte auch Kobalttürkis verwenden) die Hügel im Hintergrund etwas heraus.
Dabei verwasche ich die Farben etwas nach oben, damit Sie sich mit dem Himmel verbinden. Sie können den entsprechenden Bereich vorher auch vorsichtig mit klarem Wasser befeuchten.

  Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie zum Befeuchten und Lasieren immer absolut sauberes Wasser verwenden. Auch der Pinsel muss vorher peinlich genau ausgewaschen werden!
 

Wieder vollständig trocknen lassen.

Anschließend lege ich mit einem großen Rundpinsel eine sehr dünne Lasur aus Indischgelb über Bereiche des Vordergrundes (auch die noch weißen Flecken) und bringe diesen dadurch zum Leuchten.

Auch über den Weg und den oberen linken Teil des Himmels ziehe ich einige dieser leuchtend gelben Lasurstriche.


Ich füge nun mit einem Mantelpinsel oder Schlepper einige feine Linien (Blautöne und Siena gebrannt) in die Hügel des Hintergrundes ein, um die Weingärten der Toskana anzudeuten.

Der Vordergrund ist mir noch zu leblos - ich will ja nicht "brav" malen sondern übersteigern! Also ziehe ich mit dem Mantelpinsel und mit Siena gebrannt einige Linien - dem Geländeverlauf folgend - über den Vordergrund. Unmittelbar danach sprühe ich wieder mit dem Zerstäuber darauf, dass die noch nassen Linien leicht verlaufen.

Mit der Ecke einer alten, zerschnitten Kreditkarte ziehe ich einige helle Spuren aus dem feuchten Papier. Das klappt auch ganz hervorragend mit dem Pinselende meines "Zauberpinsels", dem DaVinci - Flachpinsel, Serie 18.
 

Ich deute einige Spuren am Dach des Gebäudes an - und plötzlich erscheint mir der Himmel zu wenig dramatisch.

Also befeuchte ich den gesamten Himmel nochmals (muss ganz schnell gehen, damit die trockene Farbe nicht verschmiert wird) und setze ober dem Gebäude nochmals eine sehr dunkle Mischung aus Preußischblau und Kobaltblau. Rechts davon einen Strich mit Siena gebrannt - und oben links verstärke ich den gelben Bereich mit Indischgelb.
Da ich schnell und zügig arbeite, trage ich dies alles in einem Arbeitsgang auf - ohne dass sich diese Farben vermischen. Dann noch vorsichtig einen Sprüher (nicht zu viel) aus der Zerstäuberflasche und - falls erforderlich - durch Neigen den Farbfluss steuern.
 


Jetzt erst male ich mit kurzen Strichen die Zypressen und Sträucher mit einer Mischung aus Preußischblau und Siena gebrannt.


Die beiden Zypressen rechts, weiter vorne Male ich in einem tiefen Violett, gemischt aus Preußischblau und Krapplack.

Leider sieht man dieses Violett auf den Abbildungen nicht sehr gut, auf den Fotos wirkt das fast wie Schwarz...

Einige Kleinigkeiten fehlen aber noch: Die Fenster werden sehr locker angedeutet, den Hügeln im Hintergrund werden noch einige Zypressen hinzugefügt.

Ausnahmsweise kommt jetzt auch Deckweiß zum Einsatz: Vermischt mit Preußischblau und ganz wenig Phthalogrün füge ich einige dünne Striche am Ende des Weges hinzu, da es dort etwas arg verschwommen war.

Zum Schluss folgen noch einige feine Details im Vordergrund, und da mir der Weg ein wenig zu glatt ist, lege ich einige Striche Siena gebrannt darüber und presse eine Frischhaltefolie darauf (siehe dazu Tipps&Tricks).


FERTIG!

Auch das war nur ein extrem einfaches Demonstrations-Beispiel.

Ich möchte damit zeigen, dass es spielerisch und ohne viel Aufwand möglich ist, Bilder dieser Art zu malen.

Trauen Sie sich nur - auch wenn diese Art nicht jedermanns Sache ist, erlangen Sie vielleicht gerade durch diese Übung mehr Lockerheit und gestatten Ihren Bildern künftig auch mehr "fließende Elemente" - und das schadet keinem Aquarell!

 

Ich male diese Lektionsbilder nur, um die verschiedenen Schritte zu demonstrieren. Diese Übungen sollen jedem Nutzen bringen, egal ob man nun naturalistisch oder sehr frei malen möchte. Andererseits funktioniert das "freie, lockere Malen" meiner Meinung nach ohnehin erst dann, wenn man in der Lage ist, von der sog. "genauen" Malerei Unwesentliches wegzulassen oder zu vereinfachen.

Sie müssen sich nicht sklavisch an die von mir vorgegebenen Farben halten. Meine Farbvorschläge bringen jedoch garantiert stimmige Bilder, daher sind gerade Anfänger damit immer auf der sicheren Seite.

Viel Erfolg und viel Spaß mit dieser Übung wünscht


 
Wenn Ihnen mein Onlinekurs gefällt, würde ich mich über einen
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