Hier erfahren Sie alles über die Aquarellmalerei - von den Grundlagen bis zu unglaublichen Praxis-Tipps und Tricks

Winter am Dürrnberg

Rund um meinen Wohnort, der Keltenstadt Hallein bei Salzburg, gibt es unzählige Motive. Seen, Berge, Schluchten, naturbelassene Wiesen - alles ist in wenigen Minuten erreichbar - wie auch die einzigartige Stadt Salzburg.

Auf einem der "Hausberge" von Hallein, dem Dürrnberg, findet man dieses Motiv. Direkt an der Straße zum nahegelegenen Berchtesgaden. Dort findet man zahlreiche Spazierwege, auch im Winter.

Bitte beachten Sie: 

Der Text zu den einzelnen Schritten der Lektionen ist bewusst sehr knapp gehalten. 
Die hier gezeigte Vorgangsweise ist nur eine Variante von vielen Möglichkeiten. Die verwendeten Farben sind Vorschläge bzw. Anregungen. Entsprechend den Wünschen meiner Kursteilnehmer gehe ich gelegentlich auch ins Detail.
Das können Sie natürlich ignorieren.

Scheu vor Winterlandschaften?
Viele Anfänger, aber auch fortgeschrittene Aquarellisten haben "Angst", Winterbilder zu malen. Absolut unbegründet, wenn man nur "richtig hinsieht" und eine (oder mehrere) Skizzen anfertigt. Stimmen auf der Skizze die Tonwerte, kann nach dieser Anleitung eigentlich nichts mehr passieren.


ACHTUNG: Für gute Ergebnisse ist es wichtig, alle Erläuterungen genau zu lesen. Noch besser ist es, wenn Sie vorher die Grundlagen genau durcharbeiten. Alleine nach den Abbildungen zu malen geht garantiert daneben.


Das Foto kann mit Klick in neuem Fenster vergrößert und für Übungszwecke auch ausgedruckt werden.

Vorbereitung:

Wenn Sie keinen Aquarellblock verwenden, spannen Sie das Aquarellpapier mit Klebestreifen (Kreppband) auf eine Holzplatte auf. Benutzen Sie gutes Aquarellpapier mit mindestens 300g.
 

Dieses Bild malen wir mit "reduzierter Palette" wir benötigen nur drei Farben:

  Siena natur 
  Siena gebrannt (kein Ersatz) 
  Ultramarinblau (Ersatz Kobaltblau dunkel oder Ultramarin feinst)


Egal, ob Sie vor Ort oder nach Fotos malen - eine Skizze ist immer empfehlenswert, eigentlich fast zwingend notwendig. Warum? Nun, beim Skizzieren können Sie Fehler machen, radieren, darüberzeichnen, so lange verändern, bis die Skizze für Sie stimmt.
Die Komposition kann korrigiert werden, die Perspektive (Linearperspektive) und die Tonwerte können überprüft und angepasst werden. Wenn Sie all das auf dem Aquarellpapier machen und dabei vielleicht noch radieren, ist auch das beste Papier bald schmutzig und beschädigt. Stimmt aber die Skizze, braucht sie nur mehr auf das Aquarellpapier übertragen werden - notfalls mit einem Hilfsraster. Nebeneffekt: Wenn man sich beim Skizzieren schon mit dem Motiv beschäftigt hat, ist dieses gewissermaßen bereits "im Kopf".....
 
Selbst wenn ich meistens ohne Vorzeichnung zu malen beginne - eine Skizze mache ich vorher immer!
Zeichnen Sie nun eine Skizze, nicht größer als eine Postkarte, also etwa 12x15 cm. Zeichnen Sie aber nicht von meiner Skizze ab, sondern vom Foto (kann vergrößert und ausgedruckt werden). Beschwindeln Sie sich nicht selbst.

Zu diesem Motiv:
Die meisten Winterbilder sind nicht schwer zu malen. Voraussetzung für ein gutes Bild ist aber gerade hier eine gute Skizze. Ein gutes Auge ist ebenso erforderlich, man muss die feinen Licht/Schatten - Abstufungen sehen - und das erfordert natürlich Übung. In der freien Natur erkennt man diese am besten, wenn man durch fast geschlossene Augen das Motiv genau betrachtet. Bei einem Foto ist dies wesentlich einfacher zu erkennen - jedoch muss man auch hier sehr genau hinschauen.
 
Ganz wesentlich ist dabei das Erkennen großer (oft zusammenhängender) Flächen. Auf nebenstehender Skizze habe ich diese rot markiert. Und genau um diese Tonwerte geht's bei fast jedem Aquarell - ganz besonders bei verschneiten Landschaften - denn Schnee ist (beim Bild) nur ganz selten rein weiß....
  

  Verwenden Sie für die Vorzeichnung keinen zu weichen Bleistift. Ein HB-Stift oder ein Schulstift mit Härtegrad 2 ist meiner Meinung nach ideal. In manchen Büchern kann man lesen, man soll mit weichem Stift vorzeichnen. Ich halte das für nicht gut, da weiche Stifte sehr schmieren und so das Aquarell leicht verschmutzen. Ebenso falsch wäre es, einen zu harten Stift zu verwenden. Da können bei stärkerem Druck kleine "Gräben" entstehen, worin sich dann die Farbpigmente sammeln und so die Linien verstärken. Allerdings gibt es Maler, die genau dies wünschen und daher diese Methode bewusst einsetzen.
Das Ziel sollte sein, ein Aquarell möglichst ohne Vorzeichnung zu malen. Da bei diesem Onlinekurs aber auch viele Neueinsteiger mitmachen, werde ich bei den Lektionen meist sparsame Vorzeichnungen als Orientierungshilfe einsetzen.


Nachdem ich die Skizze (nur die Umrisse) auf das Aquarellpapier übertragen habe, befeuchte ich den Bereich des Himmels mit klarem Wasser. Dazu benutze ich einen Viskoseschwamm (keinen Schaumgummi!), weil man damit das Papier absolut gleichmäßig benetzen kann - besser als mit einem Pinsel. Das Papier muss gut befeuchtet sein und gleichmäßig glänzen. Das Papier muss jetzt flach aufliegen.

Nun lege ich ganz großzügig - mit so nassem Pinsel, dass die Farbe fast schon heruntertropft - einige Farbflecke auf die nasse Fläche. Ich nahm dazu Siena natur und ein wenig Siena gebrannt. Das ist wichtig, denn ohne den rötlichen Ton der gebrannten Siena erhält man sehr leicht einen ungewollt grünlichen Himmel...

Jetzt muss schnell weitergearbeitet werden - ich trage bzw. tropfe eine sehr kräftige Mischung aus Ultramarinblau und (ganz wenig) Siena gebrannt an den oberen Rand des Himmels auf - und lasse diese Farben verlaufen.
Neigen Sie dazu die Malplatte bzw. den Block in verschiedene Richtungen, um den Farbverlauf zu kontrollieren. Widerstehen Sie dem Verlangen, mit dem Pinsel "nachzuhelfen".

Bei zu große Farbansammlungen und "Tränen" kann die überflüssige Farbe mit einem "Trockenem Pinsel" oder der Ecke eines Papiertaschentuches vorsichtig abgesaugt werden.

Selbstverständlich funktioniert dieser Verlauf nur bei ausreichender (gleichmäßiger) Befeuchtung des Papiers!

Jetzt heißt es, das Papier bzw. den Trocknungsgrad genau zu beobachten. Wenn das Papier leicht matt glänzt, also knapp vor dem Antrocknen - aber noch feucht ist, muss der nächste Arbeitsschritt flott durchgezogen werden:


Mit einer sehr dunklen Mischung aus Ultramarinblau und Siena gebrannt tupfe ich in den Wald-Bereich, achte dabei aber peinlich genau auf die auszusparenden Dächer der Häuser sowie auf die Kante, die den Mittelgrund vom Hintergrund trennt. Wenn der Block dabei leicht geneigt ist, blutet die Farbe nicht zu stark nach oben aus, ich kontrolliere also den Verlauf. Auch den Berg rechts male ich auf diese Weise, verzichte dabei aber ganz bewusst auf Details.
Nun heißt es wieder weiter abwarten und den Trocknungsgrad beobachten, denn im nächsten Schritt soll eine wässerige Mischung aus Siena gebrannt in die noch leicht feuchte Farbe eingetropft werden. Diese blutet dann aus und es entsteht der Eindruck kahler Laubbäume.

Ist nun trotz allem Bemühen der Untergrund schon angetrocknet, ist das auch nicht weiter schlimm: Einfach den Bereich, wo der Farbverlauf gewünscht wird, nochmals mit sauberem Wasser anfeuchten, anschließend die Farbe "eintropfen". Klar - das Ergebnis ist dann nicht so frisch, aber dennoch akzeptabel. Selbstverständlich wird das nicht immer sofort gelingen, das erfordert immer Übung und Erfahrung. Wenn Sie aber vorher diese Ausblut- bzw. Ausblühtechnik (wegen der Wirkungskontrolle auf Aquarellpapier!) proben, wird es bald einmal klappen.

Jetzt lege ich die leichten Schatten am Schnee im hinteren Mittelgrund an. Ich verwende hierzu gerne einen Pinsel mit Zwiebelspitze ( daVinci Cosmotop SPIN, Spitz-oval) und nehme dazu Ultramarinblau und (ganz wenig) Siena gebrannt, sehr stark mit Wasser verdünnt.

Mit dem gleichen Pinsel male ich nun mit einem Braunton, wiederum aus Ultramarinblau und mehr Siena gebrannt, die dunklen Teile der Häuser. Dabei verzichte ich ebenfalls auf jegliche Details.
 


Stark verdünntes Ultramarinblau mit einem Hauch von Siena gebrannt lege ich mit einem weichen Ziegenhaarpinsel (ein anderer weicher Rundpinsel tut's auch) über die großen Schattenbereiche (siehe nochmals Skizze). Dabei können ruhig einige weiße Flecken durchblitzen - wenn sie nicht zu groß und symmetrisch sind.

Mit der Kante des Pinsels setze ich noch einige waagrechte, durchbrochene, unregelmäßige Querstriche auf die rechte Schneefläche.
Je zügiger und lockerer dies geschieht - umso besser wird das Ergebnis.

Mit einem leicht schmutzigen, sehr hellen und wässerigen Siena natur male ich in Trockenpinseltechnik einige gelbliche Flecken über den noch rein weißen, linken Schneebereich. Zu viel Farbe tupfe ich vorsichtig mit einem sauberen Tuch ab.

Nach dem Trocknen spritze ich eine sehr stark verdünnte Blaumischung über den Vordergrund. Dabei passe ich auf, dass sich die Spritzer nicht über das gesamte Blatt verteilen. Passiert dies doch - sofort mit Papiertaschentuch wegnehmen. (Siehe auch unter "Grundlagen).
Diese Spritzer sollen "Winddellen" und auch Unreinheiten im Schnee darstellen.

  Hinten liegende Spritzer dürfen nicht zu groß und auch nicht zu dunkel sein. Also schwäche ich die Farbe im Hintergrund knapp vor dem Trocknen durch Abtupfen mit einem saugfähigen Tuch ab...
 


Jetzt verstärke ich die Schatten auf der linken Seite des Grabens. Dazu verwende ich die gleiche Mischung wie vorhin.

Mit einer sehr dunklen, fast schon ins Schwarz gehenden Mischung aus Ultramarinblau und Siena gebrannt werden nun die dunklen Stellen im Graben gemalt. Einmal überwiegt dabei der Blauanteil, dann wieder der Rotbraunanteil. Wichtig dabei war mir, dass dieser Teil sehr nass gemalt wird, die Farben also ineinander laufen. Sichtbare Pinselstriche solle man dabei vermeiden. Deshalb nehme ich auch hier einen eher großen Pinsel mit Zwiebelspitze (Größe 24), da dieser Pinsel sehr viel Farbe fasst - und man mit der feinen Spitze, mit etwas Übung, sogar feinste Details malen kann.

Ich bemühte mich, diesen sehr dunklen Teil sehr schnell und in einem Zug durchzumalen. Dies wird in dieser Lockerheit kaum gelingen, wenn man sich nicht schon vorher die Sicherheit durch das Zeichnen der Skizze geholt hat.

Mit meinem kleinen Hake Ziegenhaarpinsel (2,5 cm breit) legte ich nun partiell eine sehr dünne Lasur aus Siena gebrannt und Siena natur über Teile des Grabens, speziell im Vordergrund.
  Manche Papiere (meist die mit starker Oberflächenleimung) binden die Aquarellfarbe nicht all zu gut. Bei diesen Papieren besteht die Gefahr, dass bereits gemalte Flächen durch eine darüber gelegte Lasur angelöst und verschmiert werden. Bei diesen Papieren (die ansonsten sehr gut sein können) sollte man Lasuren nur mit Ziegenhaar oder sehr weichem Echthaar (wie Ponyhaar) anlegen - und auch hier mit einmaligem Auftrag.
Bei meinem Beispiel testete ich das damals neue Hahnemühle 'Cornwall' 450g. Bei diesem Papier musste ich gerade bei Lasuren sehr aufpassen. Andere Markenpapiere wie z.B. Schöllershammer 10, Arches oder auch Fabriano sind da wiederum absolut unempfindlich, haben dafür wieder andere Eigenheiten.
Also: man soll "sein" Papier schon gut kennen!
 


Einige der Spritzer verstärke ich mit meiner dünnen Blau-Mischung. Auch hier sollte man immer behutsam vorgehen - allzu viel ist gefährlich und macht das Bild unruhig.

Mit einem Linierer (oder einem feinen Rundpinsel) setze ich nun einige dünne Baumstämme mit angedeuteten Zweigen in den Hintergrund.
Auch hier nicht zu viel - dieses "Beiwerk" sollte nicht in den Vordergrund treten. Achten Sie unbedingt darauf, dass diese Stämme nicht zu dunkel werden. Anfänger malen hier oft dicke, schwarze Striche. Das wirkt klarerweise plump und dilettantisch. Aber auch zu dünne und gleichmäßige Linien wirken unnatürlich.... 


Die Bäume und Büsche im Hintergrund brauchen noch etwas Textur. Dazu richte ich mir etwas Siena gebrannt mit sehr wenig Ultramarinblau an. Einen ausgewaschenen, mittelgroßen Haarpinsel drücke ich nun senkrecht (vorsichtig) auf Haushaltskrepp, bis sich die Haare spreizen. Nun nehme ich die (relativ trockene) Farbmischung auf (wieder senkrecht) und bringe - falls nötig - den Pinsel noch mit den Fingern "in Form". Mit diesem gespreizten Pinsel trage ich nun ganz vorsichtig, mit wenig Druck, die Textur auf.

Dies muss man natürlich vorher üben. Auch die Dunkelheit des Farbtones muss man vorher austesten, da ja die Farbe beim Trocknen stark aufhellt.


Zum Schluss kommen noch einige Besonderheiten: Mit der Spitze eines scharten Taschenmessers oder einem Skalpell (gibt es inzwischen fast überall) kratze ich einige wenige Baumstämme in den Hintergrund. dazu muss die Farbe natürlich vollkommen durchgetrocknet sein, da sonst das Papier aufreißt.

Ich habe mit dem Skalpell auch über Teile der Schneefläche geschabt. Dadurch kann der Eindruck von Glitzern entstehen. Auch kleine Fehler kann man so entfernen. Aber Vorsicht - auch hier reagiert jedes Papier anders! Diese "Kratzarbeiten" erledigt man in der Regel ganz zum Schluss.

  Gekratzte oder geschabte Papierbereiche kann man schlecht weiter bemalen, da durch das verletzte Papier die Farbe stärker aufgesogen wird. Wenn man dennoch noch mal darübermalen will, muss das Papier vorher mit dem Fingernagel geglättet werden. Bei größeren Flächen kann dies auch mit einer glatten Klarsichtfolie (zur Not geht auch Kopierpapier) und viel Druck geschehen.
 

Genau das musste ich bei diesem Bild auch machen, weil mir erst danach einfiel, dass genau an dieser Stelle noch einige Zaunpfähle ins Bild passen würden...

Diese setzte ich also noch ein - und vergaß auch nicht, einen kurzen Schatten beizufügen. Außerdem verschmutzte ich den Bodenbereich bei den Zaunpfählen etwas, denn genau dort taut auch der Schnee immer am Schnellsten weg.

Nun noch einige vorwitzige Gräser, die durch den Schnee lugen, mit dem Linierer eingesetzt - und das Bild ist fertig!

Sie werden sehen, Winterbilder malen macht einen Riesenspaß! Gerade hier kann man aus den unscheinbarsten Motiven interessante Bilder zaubern. Klar - das erste Bild bereitet sicher noch etwas Mühe, aber, glauben Sie mir, nach drei, vier Übungsbildern gelingt dann vieles schon ohne viel nachzudenken.

Übung ist nun mal nötig. Für jeden Musiker ist das selbstverständlich - das gilt auch für uns Maler!


Nun, Sie wissen es ja bereits - solche Demonstrations-Aquarelle werden nur ganz, ganz selten auch gute Bilder. Es sind halt wirklich nur Demonstrationsbeispiele....

Ich male diese Lektionsbilder nur, um die verschiedenen Schritte zu demonstrieren. Diese Übungen sollen jedem Nutzen bringen, egal ob man nun naturalistisch oder sehr frei malen möchte. Andererseits funktioniert das "freie, lockere Malen" meiner Meinung nach aber erst dann, wenn man in der Lage ist, von der sog. "genauen" Malerei Unwesentliches wegzulassen oder zu vereinfachen.
 


Sie müssen sich auch bei diesem Beispiel nicht sklavisch an die von mir vorgegebenen Farben halten. Meine Farbvorschläge bringen jedoch garantiert stimmige Bilder, daher sind gerade Anfänger damit immer auf der sicheren Seite.
Verwenden Sie bei weiteren Übungen aber ruhig auch "Ihre" Farben. Wichtig dabei ist nur, dass das Ergebnis nicht zu bunt wird. Denken Sie aber daran, dass Sie mit meinem Vorschlag zur "Grünmischung" immer auf der sicheren Seite sind....

Viel Erfolg und viel Spaß mit dieser Übung wünscht


(der sich immer über einen Gästebucheintrag freut!)