Hier erfahren Sie alles über die Aquarellmalerei - von den Grundlagen bis zu unglaublichen Praxis-Tipps und Tricks

Das Mischen von Aquarellfarben

Es gibt ja, wie Sie sicher wissen, eine Menge von Regeln für die Aquarellmalerei. Diese werden Sie hier vergeblich suchen. 
Hier finden Sie hilfreiche Empfehlungen, die Ihnen das Aquarellieren erleichtern werden. Auch wenn manches bisweilen nach Theorie aussieht - es ist alles tausendfach praxiserprobt und wird Ihnen helfen, Fehler zu vermeiden.

Das Mischen von Aquarellfarben unterscheidet sich wesentlich vom Mischen von Öl- und Acrylfarbe. Da wir zum Mischen kein Weiß verwenden, also zum Aufhellen nur Wasser und das Papierweiß verwenden, ist dies eigentlich gar nicht allzu schwierig. Allerdings sollte das kostbarste Gute der Aquarellfarbe - die Transparenz - stets erhalten bleiben. Die Farben sollten also nicht trübe und kaputtgemischt werden, so dass das Papierweiß noch durch jeden Farbauftrag (selbst durch mehrere Lasuren) noch durchscheint und so die Farben zum Leuten bringen.

Fangen wir daher doch gleich einmal mit zwei Begriffen an, über die bereits ganze Bücher geschrieben wurden, die (mit Recht) in kaum einem Aquarellbuch fehlen - und die von den allermeisten Lesern sehr oft überblättert werden. Der Farbenkreis und die Komplementärfarben!
 

Mein (vereinfachter) Farbenkreis:

Muss man denn das wirklich wissen? Ich sage ganz eindeutig - JA. Aber es reicht, das Wichtigste, das, was für uns als Aquarellisten nützlich ist, zu verstehen.

Wie wir ja wissen, können wir aus den drei reinen Grundfarben GELB, ROT und BLAU, alle anderen Farben mischen. Auch die Druckereien benötigen für die schönsten Kunstdrucke nicht mehr Farben - dort wird nur noch zusätzlich Schwarz verwendet. Wer sich mit EDV und Bildbearbeitung beschäftigt, wird das ebenso bestätigen können. Können wir nicht mit den drei Grundfarben + Schwarz mittlerweile die farbenprächtigsten Fotos drucken? 
Auch beim Aquarellieren würden grundsätzlich diese drei Farben genügen, und einige Aquarellisten (wie Lambert van Bommel) malen auch ausschließlich damit. Die meisten Maler und auch ich verwenden aber mehr Farben. Ich vor allem deshalb, weil es halt viel bequemer und einfacher ist, bereits fertige, gemischte Farben zu haben. Und da es beim Aquarelieren oft sehr schnell gehen muss, ist das auch sehr hilfreich.

Wo hilft mir als Maler der Farbenkreis? Ich weiß doch dass Gelb und Blau Grün ergibt, das Mischen ist doch kein Problem mehr für mich... 
Genau das höre ich recht oft von Anfängern. Nun - der Farbenkreis ist für mich deshalb wichtig, weil man als Anfänger sehr schnell die Komplementärfarben feststellen kann.

In meinem vereinfachten Farbenkreis sehen Sie folgende Farben:

  • 3 PRIMÄRFARBEN (P) =  Grundfarben  sowie 
  • 3 SEKUNDÄRFARBEN (S)   =  Mischfarben

Die Mischfarben meines Farbenkreises ergeben sich aus der Mischung der reinen Farben Rot+Blau (=Violett), Rot+Gelb (=Orange) sowie Gelb+Blau (=Grün). 
Wenn nun diese 6 Farben wie im nebenstehenden Bild kreisförmig angeordnet sind, ist das Feststellen der Komplementärfarben kein Problem:
 

MERKE: Die Komplementärfarbe ist immer die gegenüber liegende Farbe im Farbenkreis. 
Beispiel: Das Gegenüber (im Farbenkreis) von Orange ist Blau - also ist Blau die Komplementärfarbe von Orange - und umgekehrt. 
Das gilt für den gesamten Farbenkreis, der durch viele Mischungen sehr umfangreich (und daher unübersichtlich) werden kann.

Man kann sich das mit den Komplementärfarben auch anders merken:
 

Wir haben ja 3 Primärfarben (Grundfarben) und 3 Sekundärfarben (Mischfarben).
Wenn ich nun beispielsweise die Komplementärfarbe von ROT suche - so ist dies die Mischung aus den beiden Verbleibenden Grundfarben - also die Mischung aus Blau und Gelb - folglich GRÜN.

Auch anders rum geht das: Ich suche die Komplementärfarbe von ORANGE.
Orange ist eine Mischung aus den Grundfarben Gelb und Rot - welche Farbe bleibt als Grundfarbe über - BLAU.

Kompliziert? Glauben Sie mir, das merken Sie sich in kürzester Zeit. Und Sie müssen sich das unbedingt merken, wenn Sie farblich stimmige Bilder malen wollen.

Glauben Sie mir, Maler, die grelle, unharmonische Bilder malen, haben sicher keine Ahnung vom Einsatz der Komplementärfarben.....

Komplementärfarben? Ist das wirklich so wichtig?

Ja. Einerseits kann durch den Einsatz von Komplementärfarben die Leuchtkraft der Farben gezielt verstärkt werden (z.B. Rot neben Grün), anderseits ist speziell für die Farbharmonie und das Farbenmischen das Wissen um diesen Bereich unerlässlich.

DAS FARBENMISCHEN:

Gute Bilder müssen nicht immer bunt sein. Nicht selten sind farblich dezente Aquarelle aussagekräftiger als Bilder mit sehr kräftigen Farben. Nur - wie mischt man solch zarte Farben? Nun - die Komplementärfarben - also die jeweils gegenüberliegenden Farben im Farbenkreis ermöglichen das Abtönen (bzw. Abstumpfen oder Brechen) der Farben bis hin zum „lebendigen“ Grau. 
Ist also eine Farbe zu kräftig und wirkt sie durch Aufhellen mit Wasser immer noch zu rein, zu süßlich, dann geben Sie einen Hauch der jeweiligen Komplementärfarbe dazu - und das Ergebnis wird Sie zufriedenstellen.

Ein Beispiel: Sie benötigen ein zartes Altrosa. Krapplack (oder ein anderes kräftiges Rot) mit Wasser aufgehellt ergibt ein süßliches "Fleischrosa". Mischen Sie nun eine Spur wässeriges Grün dazu, werden Sie den gewünschten Farbton erhalten.

Anmerkung: Diese Farbbeispiele können stark vom Original abweichen und sind abhängig von Ihren Monitoreinstellungen.

Ich weiß schon - auch mit anderen "Mischereien" kann man solche stumpfe Töne erzielen. Aber sehr oft sind die Farben dann stumpf oder tot. Totgemischt. Und gerade das Aquarell lebt von der Transparenz der Farbe. Merken Sie sich also bitte:
 
 

Mischen Sie zum Erreichen eines bestimmten Farbtones niemals mehr als drei Farben (in seltenen Fällen vier Farben) zusammen. Das Ergebnis wird mit Sicherheit ein stumpfer Farbton, das Bild wirkt leblos und tot.


Das Farbenmischen selbst wird bei den jeweiligen Lektionen sehr genau erklärt. Das Wissen um die Komplementärfarben wird Ihnen sehr viel erleichtern. 
Die Mischung eines Farbbereiches möchte ich aber gesondert behandeln, weil hier meines Erachtens die schlimmsten Dinge passieren:

Das Mischen von Grüntönen.

Grün ist eine sog. "stehende",  eine sehr gefährliche Farbe. Viele ansonsten gut gelungene Landschaftsbilder werden durch unnatürliche, meist zu grelle und giftige Grünbereiche zu unansehnlichen Bildern. Die allermeisten fertig gemischten Grüntöne, oft mit klingendem Fantasienamen, sind meiner Meinung nach unbrauchbar. Man muss dann erst recht wieder mischen, und zu schnell erhalten Sie statt der gewünschten Farbe wieder stumpfe, schmutzige Töne.

Schade, denn es ist wirklich nicht schwer, natürliche Grüntöne zu erzielen:

Um ein schönen, warmes Moosgrün zu erzielen, nehmen Sie das hässliche, 'giftige' Phthalogrün (Schmincke 519) oder ersatzweise Chromoxydgrün feurig. In Verbindung mit Siena gebrannt (hier gibt es keine Alternative!!) ergibt dies eine breite Palette wunderschöner Grüntöne.

Für ein helles Wiesengrün geben Sie ein wenig Reingelb (oder Chromgelb Zitron, Gummigutt etc.) dieser Mischung hinzu. 
Benötigen Sie dunkle, kühle Grüntöne, fügen Sie statt Gelb ein dunkles Blau hinzu. Beachten Sie die unterschiedlichen Wirkungen bei Hinzugabe von Pariserblau oder Ultramarin etc.

Glauben Sie mir, mehr brauchen Sie nicht, um brauchbare Grüntöne zu ermischen. Selbstverständlich können Sie vorhandene grüne Farben noch aufbrauchen. Wenn Sie aber mit Grünmischungen Probleme haben, beschränken Sie sich auf obige, sichere Tipps. Wenn Sie Grüntöne einige Male auf die von mir empfohlene Weise gemischt haben, werden Sie kaum mehr Anderes probieren....

Nochmals: Das Mischen anderer Farben wird bei den jeweiligen Lektionen genau beschrieben.
 

Der reduzierte Farbenkreis

Ein ganz heißer Tipp

für Anfänger - oder wenn Sie (noch) Probleme mit dem Mischen haben: Versuchen Sie einmal, einige Bilder ausschließlich mit den Farben des 'Reduzierten Farbenkreises' zu malen. Die Farbharmonie ist bei dieser Methode garantiert:

  • SIENA GEBRANNT (hier gibt es keine Alternative)
  • SIENA NATUR (Alternative eventuell Goldocker, aber nicht empfehlenswert)
  • ULTRAMARINBLAU (Alternative Kobaltblau dunkel)

Mit diesen drei Farben werden Sie garantiert farblich harmonische Bilder malen. 
Diese Palette kann bei Bedarf (sollte aber wirklich die Ausnahme sein) mit Zitronengelb oder/und Pariserblau (Preußischblau) erweitert werden.

Sie werden überrascht sein, welche Farbvielfalt mit diesen wenigen Farben möglich ist. Übrigens, der überwiegende Teil meiner Aquarelle wurde mit reduzierten Paletten gemalt. Aber ich beschränke auch sonst auf höchstens fünf bis 6 Farben pro Bild.... 

Wenn Ihnen mein Onlinekurs gefällt, würde ich mich über einen Gästebucheintrag sehr freuen.