Stiller Kanal in Venedig


Obwohl mir persönlich die kleinere Nachbarinsel Chioggia besser gefällt, kann auch ich mich dem Zauber dieser Stadt nicht entziehen. Ich besuche Venedig mehrmals im Jahr und male auch direkt vor Ort. Aber ich fertige immer wieder Skizzen und Fotos an, um dann in Ruhe im Atelier Eindrücke der Lagunenstadt wiederzugeben.

Anfänger wagen sich oft nicht an solche Motive, da sie fürchten, an den vielen architektonischen Details zu scheitern. Das ist aber kein Grund, sich nicht auch an solche Motive heranzuwagen. Wenn man die wichtigsten perspektivischen Grundregeln beachtet (siehe Lektion "Perspektive"), kann man mit einfachen Mitteln zum Ziel kommen.

Bitte beachten Sie: 

Der Text zu den einzelnen Schritten der Lektionen ist bewusst sehr knapp gehalten. 
Die hier gezeigte Vorgangsweise ist nur eine Variante von vielen Möglichkeiten. Die verwendeten Farben sind Vorschläge bzw. Anregungen. Entsprechend den Wünschen meiner Kursteilnehmer gehe ich gelegentlich auch ins Detail.
Das können Sie natürlich ignorieren.

Die Lösung heißt: Konzentration auf Stimmung, Farbe und Licht. Die Architektur darf natürlich nicht vergessen werden - aber architektonische Details sind bei der folgenden Lektion zweitrangig.

ACHTUNG: Für gute Ergebnisse ist es wichtig, alle Erläuterungen genau zu lesen, gerade bei diesem oder ähnlichen Motiven. Alleine nach den Abbildungen zu malen geht garantiert daneben.


Bild vergrößern mit Klick, kann für Übungszwecke auch ausgedruckt werden.

Vorbereitung:
Wenn Sie keinen Aquarellblock verwenden, spannen Sie das Aquarellpapier mit Klebestreifen (Kreppband) auf eine Holzplatte auf. Benutzen Sie gutes Aquarellpapier mit mindestens 300g.

  
Verwendete Farben:

  Indischgelb (bzw. ersatzweise Reingelb oder Zitron)
  Lasurorange
  Siena gebrannt (kein Ersatz) 
  Krapplack (oder ein anderes, dunkles Rot wie z.B. Magenta) 
  Bergblau (kein Ersatz)
  Ultramarinblau (Ersatz Kobaltblau dunkel oder Ultramarin feinst)
  Preußischblau (Ersatz Pariserblau oder Phthaloblau)  
  Phthalogrün (oder Chromoxidgrün feurig)

 
Das sind relativ viele Farben - dennoch soll es kein "buntes" Bild werden.


Egal, ob Sie vor Ort oder nach Fotos malen - eine Skizze ist immer empfehlenswert, eigentlich fast zwingend notwendig. Warum? Nun, beim Skizzieren können Sie Fehler machen, radieren, darüberzeichnen, so lange verändern, bis die Skizze für Sie stimmt.
Die Komposition kann korrigiert werden, die Perspektive (Linearperspektive) und die Tonwerte können überprüft und angepasst werden. Wenn Sie all das auf dem Aquarellpapier machen und dabei vielleicht noch radieren, ist auch das beste Papier bald schmutzig und beschädigt. Stimmt aber die Skizze, braucht sie nur mehr auf das Aquarellpapier übertragen werden - notfalls mit einem Hilfsraster. Nebeneffekt: Wenn man sich beim Skizzieren schon mit dem Motiv beschäftigt hat, ist dieses gewissermaßen bereits "im Kopf".....

Auch wenn ich normalerweise ohne Vorzeichnung zu malen beginne - eine Skizze mache ich vorher immer!

Zeichnen Sie nun eine Skizze, nicht größer als eine Postkarte, also etwa 12x15 cm. Zeichnen Sie aber nicht von meiner Skizze ab, sondern vom Foto (kann vergrößert und ausgedruckt werden). Beschwindeln Sie sich nicht selbst.

Zu diesem Venedig-Motiv:
Dieses Motiv habe ich sehr stark vereinfacht. Ich habe nur einige Fenster angedeutet, viele - zugegebenermaßen verführerische Details weggelassen und dennoch bereits bei der Skizze versucht, das Charakteristische des Sujets einzufangen. Diese sehr schnelle Skizze habe ich vor wenigen Wochen vor Ort gemacht. Wichtig war mir die hell/dunkel Darstellung, aber auch die Tiefenwirkung. Bei der Vergrößerung der Skizze (öffnet in eigenem Fenster) sind auch die Hilfslinien für die Fenster - obwohl ich nicht alle malen werde - deutlich sichtbar.
 

  Verwenden Sie für die Vorzeichnung keinen zu weichen Bleistift. Ein HB-Stift oder ein Schulstift mit Härtegrad 2 ist meiner Meinung nach ideal. In manchen Büchern kann man lesen, man soll mit weichem Stift vorzeichnen. Ich halte das für nicht gut, da weiche Stifte sehr schmieren und so das Aquarell leicht verschmutzen. Ebenso falsch wäre es, einen zu harten Stift zu verwenden. Da können bei stärkerem Druck kleine "Gräben" entstehen, worin sich dann die Farbpigmente sammeln und so die Linien verstärken. Allerdings gibt es Maler, die genau dies wünschen und daher diese Methode bewusst einsetzen.
Das Ziel sollte sein, ein Aquarell möglichst ohne Vorzeichnung zu malen. Da bei diesem Onlinekurs aber auch viele Neueinsteiger mitmachen, werde ich bei den Lektionen meist sparsame Vorzeichnungen als Orientierungshilfe einsetzen.


Ich male zwar nur selten mit Vorzeichnung, meistens sehr zügig und an mehreren Stellen gleichzeitig. Bei den Demonstrationsbildern für diesen Kurs ist das ein wenig anders, denn schließlich soll am Ende ein ansprechendes Ergebnis stehen.  Also male ich ohne Risiko, da ich auch keine Lust habe, alle Schritte nochmals zu machen und wieder neu zu fotografieren, wenn etwas "danebengeht"....

Ich mache also eine schnelle Vorzeichnung und lege die linke, im Schatten liegende Seite mit einem Flachpinsel und einer sehr wässerigen Mischung aus Siena gebrannt mit Kobaltblau an. Dabei male ich auch die Gebäude im Hintergrund gleich mit. In den oberen Bereich gebe ich partiell noch etwas Indischgelb und lasse die Farben am Papier verlaufen.

Die Brücke spare ich dabei aus.


Mit dieser gelblichen Mischung male ich nun den unteren Bereich der rechten Häuserzeile, von oben her lasse ich eine Rot-Mischung aus Krapplack mit etwas Phthalogrün (durch diese Komplementärfarbe wird das Rot "gebrochen" nach unten verlaufen.

Diese Seite darf aber nicht zu dunkel werden, also tupfe ich die nasse Farbe mit einem saugfähigen Tuch (Windel) etwas ab.

Nach dem Trocknen lege ich einen sehr dünnen Himmel aus Preußischblau (mit wenig Siena gebrannt) an. Ich male dabei über die schmalen Häuser im Hintergrund, damit diese etwas "zurücktreten".

Auch unter der Brücke habe ich ein wenig von dieser Himmelfarbe aufgetragen. Damit es keine Ränder gibt, feuchtete ich das Papier vorher etwas an.

So wie auf der Abbildung links sollte es bis jetzt ungefähr aussehen.

Falls es bei Ihnen anders wirkt, weil die Farben stärker verlaufen sind, ist das vollkommen egal. Wichtig ist aber, dass die linke Seite kühler wirkt (durch das Blau) und die rechten Häuser warm und hell leuchten.
Lassen Sie ruhig die Farben laufen. Sollten sich Ränder bilden - auch das ist egal.

Jetzt werden die roten Ziegeldächer sehr locker mit flotten Pinselstrichen angedeutet. Ich nehme dazu Lasurorange und ein wenig Siena gebrannt.

Versuchen Sie, nicht zu genau zu malen. Manchmal ist es deshalb angebracht, einen etwas größeren Pinsel zu wählen....


Mit einem Flachpinsel und einer Mischung aus Lasurorange und Kobaltblau male ich nun einige Flecken in die Häuser auf der linken Seite. Dabei geht es nicht um die genaue Wiedergabe, in dieser Phase geht es ausschließlich darum, mein Bild wirkungsvoller auszuarbeiten.

Malen Sie nicht zu gleichmäßig, tolerieren Sie Unregelmäßigkeiten in dieser Phase.

Mit der Pinselkante verstärke ich oberhalb der Brücke die Dunkelheit, wobei die Farbmischung etwas blaustichiger sein soll. Ein wenig Bergblau leistet hier gute Dienste.

Bergblau ist eine wunderbare Lasur- und Mischfarbe wenn es darum geht, Tiefe zu erzeugen.
Erschrickt man manchmal ob der Intensität im nassen Zustand, so angenehm ist man überrascht, wenn der Lasurauftrag getrocknet ist. Bergblau dämpft und "kühlt" Farben, ohne die Charakteristik der Hauptfarbe zu verändern.

 

Nun könnte Ihr Blatt so ähnlich wie dieses hier aussehen:

 

Mischen Sie Krapplack mit Lasurorange mit ganz wenig Phthalogrün. Durch die Komplementärfarbe Grün nehmen Sie dem intensiven Rot etwas die Schärfe.

Die sonnenbeschienene Seite lassen Sie hell leuchten, der Schmalseite des Hauses gönnen Sie ein sattes, dunkles Rot. Auch hier leistet die scharfe Kante des Flachpinsels gute Dienste.

Sie können dabei einige weiße Fensterrahmen aussparen - aber übertreiben Sie es nicht! Verzichten Sie auch auf Abdeckmittel, dies würde viel zu plump wirken.

Mit einem Rundpinsel male ich anschließend die Brücke, spare dabei aber die weißen Ränder aus.
 

 

Widerstehen Sie auch hier der Versuchung, Hilfsmittel zu verwenden. Auch Deckweiß wirkt nicht gut, ist aber als Notlösung durchaus akzeptabel.
Farbmischungen: Lasurorange und Kobaltblau.

Auch unter der Brücke werden Dunkelheiten eingesetzt - mit zusätzlichem Preußischblau. Die Dunkelheit unter der rechten Brücke mische ich mit Preußischblau und Siena gebrannt.

  Auch wenn dunkle Flecken gesetzt werden, sollten diese niemals "zugemalt" - also deckend sein. Vermeiden Sie unbedingt schmutzige Farben, die aus mehr als 4 Farben gemischt wurden. Diese Stellen wirken tot.
Auch bei sehr dunklen Farbaufträgen sollte immer noch das Papier durchscheinen.

Mit einem kleineren Flachpinsel male ich die Fenster. Ich versuche, nicht zu genau zu malen.
Worauf  ich aber fast kleinlich darauf achte, ist die perspektivische Ausrichtung der Fenster. Siehe dazu die Lektion "Perspektive 2".
Hier ist es legitim, sich leichte Hilfslinien einzuzeichnen (können ja dann wieder wegradiert werden).

Da ja das Licht von oben kommt, sind bei den Fenstern auch die Dunkelheiten zumeist oben. Es genügt also schon, im oberen Fensterbereich eine Dunkelheit zu setzen und nach unten mit Wasser auslaufen zu lassen.....


Jetzt findet ein kleiner Rundpinsel Verwendung. Mit einer Mischung aus Siena gebrannt und Kobaltblau setze ich nun einige Fenster und andere Details sehr locker ein.

Nehmen Sie keine zu dunkle Farbe, denn zu dunkle (schwarze) Fensterlöcher ruinieren jedes Bild, wirken dilettantisch.

Malen Sie aber auf gar keinen Fall alle Fenster und alle Details!
Es genügen nur einige wenige, das reicht vollkommen. Unser Auge ist in der Lage, das Bild zu vervollständigen. Das Bild wird so viel interessanter als ein völlig zugemaltes Aquarell, bei dem es nichts mehr zu entdecken gibt.

Mit einem Grünton (Phthalogrün und Siena gebrannt) werden jetzt einige Fensterläden angedeutet. Manchmal nur mit kleinen Querstrichen. Machen Sie nicht zu viel - es reicht durchaus, wenn einzelne grüne Elemente zu sehen sind.

Mit Siena gebrannt, Kobaltblau und etwas Bergblau male ich nun den Schatten auf der Brücke, ziehe diese Farbmischung aber ein wenig in die hinteren Gebäude hinein.

Als nächstes kommt das Wasser des Kanals dran: Dazu befeuchte ich die gesamte Wasserfläche mit klarem Wasser.

In der Mitte ziehe ich einige leichte gelbliche senkrechte Striche, die auf der nassen Fläche weich verlaufen. Rechts - wiederum senkrecht - einige Spuren der Rotmischung. Auch das soll weich verlaufen.


Jetzt mische ich ein sehr dunkles, sattes Grün aus Phthalogrün, Preußischblau und Siena gebrannt.

Ich trage diese Mischung auf der linken Seite mit senkrechten - und später, weiter unten einigen waagrechten Strichen auf. Das Papier muss dabei unbedingt noch nass sein! 
(Sorry für die Farbabweichungen auf den Fotos - vermutlich das Blitzlicht....?)

     Ruhiges Wasser malt man immer mit waagrechten und senkrechten Farbaufträgen.

Die scharfe Kante links stört. Deshalb stelle ich das Bild auf den Kopf, nehme einen großen, feuchten Rundpinsel und ziehe die Farbe etwas in das Haus hinein. Dazu berühre ich nur den äußersten Rand der dunklen (noch nassen) Farbe - das genügt.

Sie sehen, man muss fallweise sehr schnell arbeiten...

Wenn die Wasserfläche getrocknet ist, male ich noch einige Schatten in die noch ausgesparten Bootskörper. Auch hier will ich nicht zu genau werden.

Für die Holzpflöcke im Vordergrund verwende ich eine wässerige Mischung aus Siena gebrannt mit Kobaltblau.


Klick auf's Bild zur Vergrößerung (öffnet in neuem Fenster) 

Eigentlich bin ich schon fertig. Man muss nicht immer alles ganz genau darstellen.
Ich überlege, ob ich noch weitermalen soll, denn zu viele Bilder schon habe ich "zu Tode gemalt", weil ich nicht rechtzeitig aufhören konnte. Das passiert mir auch jetzt noch fallweise.....

Weil ich aber weiß, dass gerade Anfänger oft etwas "genauer" malen möchten, entschließe ich mich nun doch, noch einige Teile zu verstärken bzw. hinzuzufügen.
 


Ich nehme nun einen dunkelbraunen (oder dunkelgrauen) Aquarellstift, um einige lineare "Verstärker" einzufügen.

  Das geht recht gut und sieht auch gut aus, wenn man anschließend einen leicht feuchten (sauberen) Pinsel kurz darauflegt. Dadurch verläuft der Strich ganz leicht - und er sieht nicht mehr wie ein gezeichneter Strich aus!

Natürlich könnte man das auch mit einem Linierer machen - ich wollte aber mal eine andere (einfache, aber praktische) Variante zeigen.
 


Hmmm - einige warme Gelbtöne würden dem Bild noch gut tun.

Mit einer Mischung aus Indischgelb mit Siena gebrannt male ich um einige Fenster herum, wobei ich mit Wasser die Ränder auslaufen lasse.

Auch den Schatten unter dem angedeuteten Balkon setze ich noch ein (Siena gebrannt mit Kobaltblau).

Jetzt aber Vorsicht: Zu schnell macht man sich ein Bild kaputt, wenn man nicht aufhören kann. Das Teuflische daran ist: Man findet fast immer noch etwas, was man noch "anders" oder "besser" machen möchte - und schnell ist dann das Bild stumpf und tot.


Eines aber mache ich noch: Mit einem weichen Ziegenhaarpinsel verstärke ich nun nochmals die Dunkelheit links von der Brücke. Ich nehme dazu Bergblau mit ganz wenig Siena gebrannt.

Und zu guter Letzt wasche ich mit einem sauberen, nassen Flachpinsel (meinem "Zauberpinsel") mit wenigen, kurzen Querstrichen einige helle Wellen aus dem Wasser.
Aber auch hier gilt: Weniger ist mehr!
 


Jetzt aber bin ich wirklich fertig! Obwohl....   ;)

 

Sie wissen es ja bereits: Ich male diese Lektionsbilder nur, um die verschiedenen Schritte zu demonstrieren. Diese Übungen sollen jedem Nutzen bringen, egal ob man nun naturalistisch oder sehr frei malen möchte. Andererseits funktioniert das "freie, lockere Malen" meiner Meinung nach ohnehin erst dann, wenn man in der Lage ist, von der sog. "genauen" Malerei Unwesentliches wegzulassen oder zu vereinfachen.

Sie müssen sich nicht sklavisch an die von mir vorgegebenen Farben halten. Meine Farbvorschläge bringen jedoch garantiert stimmige Bilder, daher sind gerade Anfänger damit immer auf der sicheren Seite.
Verwenden Sie bei weiteren Übungen aber ruhig auch "Ihre" Farben. Wichtig dabei ist nur, dass das Ergebnis nicht zu bunt wird. Meist kommt man mit sehr wenigen Farben zu den besten Ergebnissen.....
 

Viel Erfolg und viel Spaß mit dieser Übung wünscht

  
Wenn Ihnen mein Onlinekurs gefällt, würde ich mich über einen
Gästebucheintrag sehr freuen.