Tricks und Effekte im Aquarell

Ich weiß - diese Tricks werden meistens als Erstes gelesen. Willkommen im Klub!

Grundsätzlich sollte man ohne Tricks auskommen, Puristen weigern sich auch strikt, Tricks anzuwenden. Anderseits wenden auch die berühmtesten Aquarellisten vereinzelt (allerdings sehr gezielt) Tricks an - warum also sollten nicht auch wir dies nutzen.

Gleich zu Beginn eine Warnung:

Zu viele Tricks zerstören jedes Bild! Das Aquarell wirkt dann fast immer plump und dilettantisch. Halten Sie sich also unbedingt zurück, obwohl gerade für Anfänger - wie ich immer wieder feststelle - der Einsatz verschiedener Tricks sehr verführerisch ist! Seien Sie damit sparsam und verwenden Sie in einem Bild nach Möglichkeit nur wenige Tricks - wenn überhaupt.…

 

In über 50 Jahren Malpraxis haben sich natürlich unglaublich viele Tricks angesammelt. Hier beschränke ich mich auf die bekanntesten Tricks, die nicht immer die besten sein müssen…

Bei meinen Akademiekursen zeige ich Ihnen alle bewährten Praxistricks, die - richtig eingesetzt - das Aquarellieren unglaublich erleichtern können. Geheimnisse gibt es bei mir nicht…!

Der Trick mit dem Salz: 

Einer der ältesten (und unbrauchbarsten) Trick-Effekte überhaupt, der mit Begeisterung sehr oft (eigentlich fast ausschließlich) von Anfängern eingesetzt wird. Ernsthafte Künstler verwenden dagegen Salz zu gut wie nie....

So geht's:
Dieser Trick funktioniert nur auf nassem Papier. Streuen Sie auf die noch nasse Fläche einige wenige Salzkörner. Machen Sie dies gefühlvoll mit den Fingern, nicht mit dem Salzstreuer. Da Salz Feuchtigkeit bindet, zieht es das Wasser an sich und es entstehen kleine, hartrandige Flecken. Je nasser die Fläche ist, um so stärker wird der Effekt. Bei bereits leicht angetrockneter Farbe ist die Wirkung schwach - siehe das rechte Beispiel. 
Nach dem vollständigen Trocknen entfernen Sie das Salz durch vorsichtiges Reiben mit den Fingern.

Angewendet wird der Salz-Effekt sehr oft für den Eindruck von Schneefall (auf nicht zu nasser Fläche, da zu große Flecken doch sehr kindlich wirken), zur Darstellung von altem, morbiden Mauerwerk, von Kies, Sand usw.  Es gibt da mehrere Einsatzmöglichkeiten. Auch hier sollten Sie vorher Test auf Aquarellpapierresten machen - speziell um den richtigen Feuchtigkeitsgrad des Farbauftrages herauszufinden.

Sparsam eingesetzt, auf nicht zu nasser Farbe, kann dieser Effekt recht gut wirken. Vermeiden Sie auf jeden Fall, größere Flächen damit zu "bearbeiten". Dies ist zu offensichtlich, wirkt immer plump und lässt den Betrachter wissend schmunzeln.
Wählen Sie statt dessen zwei, drei kleine, nicht zusammenhängende Bereiche, dies ist unauffälliger und auch wirksam.


Der Papiertaschentuch -Trick:

Alternativ können Sie auch ein Papiertaschentuch verwenden. Dazu gehört allerding schon etwas mehr Geschick.

Variante 1: Dazu entfalten Sie das Taschentuch, legen es (möglichst Faltenlos) um den Daumen und drücken damit auf den noch nassen Himmel. Auch dabei den Druck - und auch die Richtung ändern.

Variante 2: Ganz „elegante“, aufgerissene und dennoch weiche Wolken entstehen, wenn Sie vorher das Papiertaschentuch (noch besser ein Cleanex) entfalten, mit Wasser besprühen (darf schon relativ feucht sein) und dann wieder zerknüllen. Anschließend arbeiten Sie die Wolken heraus - Sie werden begeistert sein!

  Bei beiden Techniken muss schnell gearbeitet werden, denn wenn der Himmel schon trocken oder gar halbtrocken ist, werden Sie kaum die gewünschte Wirkung erzielen.

 Verwenden Sie diesen Trick auch, wenn einmal ein Himmel "verpatzt" ist oder fleckig wird. So lange er noch nass ist, können Sie unter Umständen das Bild mit Wolken noch retten.


Der Schwamm -Trick:

Kies, Fels, Steinstrukturen, alter Mauerputz, Sträucher, Bäume und vieles mehr lassen sich mit einem Naturschwamm gestalten, wenn man ihr richtig einsetzt. Kunstschwämme oder Viskoseteile sind hier nicht zu gebrauchen. Je nach Einsatzvariante und der Papiergröße sollten Sie sich den Schwamm aussuchen. Es gibt feinporige und sehr grobporige Naturschwämme.

So geht's:

Befeuchten Sie vorher den Schwamm sehr gründlich und drücken ihn dann gut aus - am Besten zwischen Haushaltskrepp. Formen Sie zwischen den Fingern eine passende Ecke zu der gewünschten "Stempelgröße", dann tunken Sie den Schwamm in die großzügig angemischte Farbe und drücken mit schwachem Druck aus Papier. Sie sollten dabei auch immer wieder die Hand drehen, damit kein gleichmäßiges Muster entsteht.

Wenn Sie Sträucher oder Bäume mit dem Schwamm gestalten möchten, dann stempeln Sie zuerst einen hellgrünen Farbton - und solange das noch nass ist, drücken Sie die dunkle Farbe (Schwamm umdrehen - auswaschen dauert zu lange) darauf. Die Farben können ruhig ein wenig verlaufen. Später über das Trockene nochmals dunkler darübergehen.

  Beim Malergeschäft gibt es diese Naturschwämme oft wesentlich günstiger als im Künstlerladen.


Der Papierkneuel -Trick:

Ganz ähnlich wie mit dem Naturschwamm funktioniert der Trick mit dem Papierknäuel. Verwenden Sie ganz dünnes, nichtsaugendes Papier. Manche Werbung ist dafür bestens geeignet.

  Das funktioniert auch sehr gut mit Cellophan oder stark zerknüllter Frischhaltefolie.

Der Effekt ist ähnlich wie beim Naturschwamm, jedoch mit kantigeren Konturen.


Der Strohhalm - Trick:

Das ist sehr einfach und lustig - jedoch nicht sehr berechenbar:

Einen Stroch sehr nasser Farbe auftragen - und mit dem Strohhalm kurz und kräftig pusten.

Es entstehen bizarre, abstrakte Muster...


Der Folien oder Lappen -Trick:

Tragen Sie reichlich Farbe auf das Papier auf. Solange die Farbe noch nass ist, pressen Sie eine Frischhaltefolie (eventuell leicht zerknüllt) darauf und lassen Sie die Farbe trocknen.

Bei meinem Beispiel habe ich beim Trocknen die Folie mit einem Buch beschwert.

Es enstehen tolle abstrakte Muster, die aber auch z. B. für Stein- und Felsstrukturen eingesetzt werden können. Aber Vorsicht - hier kann man schnell übertreiben und damit das Bild zerstören.

  Auch mit Stoffresten (nichtsaugende sind meist besser) können ähnliche Effekte erzielt werden.


Der Fixativ - Trick:

Sprühen Sie mit einem Fixativ in die noch nasse Farbe (jedoch niemals in den Farbkasten).

Es enstehen seltsame Strukturen, die beispielsweise zur Darstellung von brodelndem Wasser, aber auch für alte Fassaden oder auch nur für Hintergründe (Blumen, Stillleben) eingesetzt werden können.

ABER ACHTUNG:

Damit bearbeitete Flächen lassen sich nicht mehr "normal" mit Aquarellfarben weiterbearbeiten. Also, wenn überhaupt, dann nur zum Schluss anwenden!

In über 50 Jahren Malpraxis haben sich natürlich unglaublich viele Tricks angesammelt. Hier beschränke ich mich auf die bekanntesten Tricks, die nicht immer die besten sein müssen…

Bei meinen Akademiekursen zeige ich Ihnen alle bewährten Praxistricks, die - richtig eingesetzt - das Aquarellieren unglaublich erleichtern können. Geheimnisse gibt es bei mir nicht…!

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