Skizzieren - wozu?

Selbstverständlich weiß ich, dass sehr oft das Skizzieren vor dem Malen als antiquiert und entbehrlich abgetan wird. Vornehmlich von Hobbymalern*) und hier wiederum von Anfängern. Ich kenne zwar einige wenige Maler (die lassen sich an einer Hand abzählen), die das können. Die bereits viel Erfahrung und Praxis haben und denen das gründliche „Einschauen“ ausreicht.

Besonders Mutige nehmen ihr gutes Aquarellpapier und beginnen sofort mit Pinsel und Farbe, andere wiederum zeichnen, korrigieren, radieren und zeichnen solange, bis das teure Aquarellpapier verschmutzt oder gar beschädigt ist. Oft ist dadurch der Misserfolg schon vorprogrammiert. All das kann man durch das Skizzieren vermeiden.

Egal ob man vor der Natur oder nach Fotos (ist ja auch vollkommen legitim, sofern es eigene Fotos sind) malt, eine „Arbeitsskizze“ ist immer hilfreich. Diese Arbeitsskizze muss kein eigenständiges, voll ausgearbeitetes Kunstwerk werden – sie dient ausschließlich zur Vorbereitung der Malerei. Diese Bleistiftskizzen sollten auch klein gehalten werden (maximal Postkartengröße), damit man sich von vornherein auf das Wesentlich konzentrieren muss. In Ausnahmefällen, bei komplizierter Architektur mache ich auch größere Skizzen. Gelegentlich auch monochrome Tonwertskizzen mit Pinsel und Sepia oder Indigo (weil ich Indigo zum Malen nicht mehr verwende).

Vorher muss man sich jedoch gründlich das Motiv anschauen. Zuerst also sehen – dann erst zeichnen. Die Formen, Größenverhältnisse, die Perspektive, die Tonwerte, Licht und Schatten und nicht zuletzt die Farben müssen gesehen und verstanden werden. Anschließend wird skizziert. Auf der Skizze kann überzeichnet oder auch radiert werden, hier darf man Fehler machen, diese korrigieren, selbst der Bildausschnitt und sogar das Format darf geändert werden.
Mit etwas Übung ist das reine Skizzieren in wenigen Minuten erledigt – uns man kann daran gehen, die Skizze grob auf das Aquarellpapier zu übertragen. So bleibt das Papier sauber – und trotz vorhergehendem Skizzieren ist man meistens viel schneller!

Übrigens: Für die wirklich großen Aquarellisten, (dazu gehören für mich u. A. auch John Pike, Trevor Chamberlain, Edwar Seago, John Yardley, Edward Wesson, Frank Webb, Rowland Hilder, James Fletcher-Watson und Joseph Zbukvic) war und ist skizzieren kein Thema. Denn es gehört ganz einfach dazu. Und all diese Künstler legten auch eine Vorzeichnung an. ALLE!

*) Ich unterscheide an sich nicht zwischen Hobbymalern und Profis. Es gibt da und dort Könner, Blender und Blindgänger. 

Anmerkung:
Obwohl wir doch sehr unterschiedlich malen, stimme ich in den meisten Punkten – das Aquarellieren betreffend – mit meinem bayerischen Malerfreund Ernst Grillhiesl, den ich übrigens sehr schätze, überein.
Aber lesen Sie selbst
HIER – und auch die anderen seiner Seiten unter „Tipps und Tricks zum Aquarell“.