Wolfgang Baxrainer, Aquarellist Hier erfahren Sie alles, wirklich alles über die Aquarellmalerei - von den Grundlagen bis zu unglaublichen Praxis-Tipps und Tricks

Die Sache mit den Vorbildern...

Irgendwie ist das echt witzig.
Im Internet – aber auch manchmal bei Ausstellungen – findet man oft Aquarelle, die auf den ersten Blick an die Bilder von derzeit sehr bekannten Aquarellisten erinnern. Diese zu Recht sehr populären Maler erkennt man sofort an ihrem sehr persönlichen, oft auch eigenwilligen Malstil, und sie sind damit auch sehr erfolgreich.

Nun versuchen nicht wenige Leute, genauso, oder zumindest so ähnlich wie diese Profis zu malen. Zur Selbstberuhigung heißt es dann, "XY" hat mich inspiriert. Allerdings geht das so gut wie immer total daneben! Das, was bei den Profis einfach intuitiv auf Grund jahrelanger Praxis "passiert", ist nun mal nicht zu kopieren, da passiert, abhängig von der Malweise, oft auch sehr viel zufällig, und das wird dann auch geschickt eingebunden. Wenn man nun versucht, zu ähnlichen Effekten zu kommen, wirken die Ergebnisse allesamt unbeholfen, ja erbärmlich. 

Es ist ja vollkommen in Ordnung, wenn man als Anfänger versucht, sich an bestimmten Malern zu orientieren. Das war immer so, die besten und berühmtesten Künstler haben das allesamt praktiziert. Nur sollte man dann die Ergebnisse in der "Lernmappe“ aufbewahren und nicht der Öffentlichkeit aufdrängen. Ich weiß schon, der Weg zur eigenen Handschrift in der Malerei ist mühsam und dauert. Wenn man aber dran bleibt und viel malt, entwickelt sich mit der Zeit dann doch ein eigener Stil. Mit Gewalt und Tricks kommt man jedenfalls nicht schneller zum Ziel. 

Es fällt auch auf, dass immer mehr "Regenbilder" im Internet zu sehen sind. Die beiden Ausnahmekönner Zbukvic und Castagnet beherrschen das perfekt. Städtebilder mit nassen Straßen, in denen sich die Scheinwerfer und Rückleuchten der Autos spiegeln, locker angedeutete Menschen mit Regenschirmen, dazu das grobe, manchmal bewusst oberflächliche Andeuten der Perspektive von Straßenzügen. Auch wird manchmal ganz gezielt stumpfe, opake Farbe aufgetragen - um andere Bildteile und deren Transparenz stärker leuchten zu lassen.

Genau diese Besonderheiten wollen nun einige "Möchtegern-Künstler" in ihre eigenen Bilder einfließen lassen. Nicht verwunderlich, dass auch das fast immer in einer peinlichen Katastrophe endet. In stumpfen Bildern mit teilweise fürchterlichen Lichtsituationen, falschen Perspektiven - aber dafür Pinselstrichen, Linien  und unkontrollierten Farbflecken, die das Ergebnis locker erscheinen lassen sollen. 

Und was ganz besonders geistlos ist – einigen "Nachmalern" ist es nicht zu blöd, die Signatur ähnlich wie die Vorbilder zu setzen. Oft in hellem Rot wie bei den oben genannten Aquarellstars. 

Es gibt freilich auch in Österreich zwei populäre, sehr gute Maler, deren Aquarelle auf den ersten Blick an ihrem Stil erkennbar sind. Die beiden Künstler werden klarerweise sehr oft kopiert. Aber auch da erkennt man sofort, wenn durch quer über das Bild laufende Linien und ideenlosen, meist hellen oder sogar weißen Farbspritzern, das Bemühen, ähnlich wie E.K. oder B.V. zu wirken. Diese Linien und Farbspritzer werden von den Profis meist eingesetzt, um zu harte Linien oder Flächen "aufzubrechen", bei den Nachahmern wirkt dies immer aufgesetzt und plump.
Sorry, das sehe nicht nur ich so. Davon mal ganz abgesehen, wird dieser aquarellistische Einheitsbrei mittlerweile auch langweilig…

Abschließend: Jeder kann so malen wie er will, oft braucht man halt "Krücken", um sich langsam weiter zu entwickeln. Nur sollte man meiner Meinung nach die Ergebnisse solcher Übungen nicht unbedingt veröffentlichen. Auch wenn das mittlerweile über Social-Medias ja sehr einfach ist - man tut sich meist selbst nichts Gutes damit. 

Darum: Habt Freude und Spaß am Aquarellieren - aber gebt euch nicht der Lächerlichkeit preis, indem ihr versucht, wie "XYZ" zu malen und dann die Ergebnisse in den Sozialen Netzwerken veröffentlicht....